Stadtkreis Stralsund

Zugehörigkeit staatlich: bis 1945 Land Preußen, Provinz Pommern,
bis 1932 Regierungsbezirk Stralsund
1932 - 1945 Regierungsbezirk Stettin
1945 - 1949 Sowjetische Besatzungszone, Land Mecklenburg
1949 - 1952 DDR, Land Mecklenburg
1952 - 1990 DDR, Bezirk Rostock, Stadt- und Landkreis Stralsund
Zuständ. Justiz (1894): Amtsgericht Stralsund, Landgericht Greifswald, Oberlandesgericht Stettin
Zuständ. Finanzamt (1927): Finanzamt Stralsund, Landesfinanzamt Stettin
Zuständ. Gau 1933-1945: Pommern
Zuständ. Militärdienst 1885: II. Armeekorps
Zugehörigkeit ev. Kirche (1939): Evangelische Kirche der altpreußischen Union, Kirchenprovinz Pommern
Zugehörigkeit kath. Kirche (1939): Bistum Berlin


Stadtbeschreibung Stralsund nach Neumann 1894:
Stadt und Stadtkreis, gelegen am 3 km breiten Bodden (Strelasund), der Rügen vom Festland trennt; Standort 2 1/2 Bat. Inf. Nr. 42; Bahnhof der Linien Berlin-Stralsund, Stralsund-Rostock, Stralsund-Bergen (mit Trajekt über den Bodden) und Angermünde-Stralsund der Preußischen Staatsbahn; Reichsbanknebenstelle, Kreditverein, Hypothekenversicherungsverein, Regierung, Amtsgericht nebst Kammer für Handelssachen und Strafkammer (für die Amtsgerichtsbezirke Barth, Bergen, Franzburg und Stralsund), Eisenbahnbetriebsamt, Forstinspektion, Hauptzollamt, Handelskammer, Seemannsamt, 9 Konsuln, 5 evangelische Kirchen, 1 katholische Kirche, Synagoge, Gymnasium, Realgymnasium, Navigationshauptschule, Taubstummenanstalt, ständische Irrenanstalt, Fräuleinstift, Waisenhaus, Strafanstalt, Krankenhaus, Militärlazarett, Rathaus mit Sammlungen und großer Bibliothek, ehemalige Klöster (Katharinenkloster jetzt Gymnasium und Zeughaus; Johanniskloster jetzt Armenhaus), Theater; 3 Vorstädte: die Knieper, Tribseer und Frankenvorstadt; Eisengießerei, Maschinenfabrik, bedeutende Bierbrauerei; Fabrikation von Spielkarten, Öl, Zucker, Stärke, Konserven, Sensenschärfern, Baumwollwaren, Seife, Lack, Zement, Zigarren, Pianofortes, Möbeln, Spiritus etc.; Fischerei, Fischräucherei, Dampfmahlmühle, Wollmarkt, Obstbaumschule, Samenhandel, Schiffbau, Schifffahrt, Hafen; Dampfschifffahrt nach Barth, Polchow, Malmö etc.; Überfahrt nach Rügen (Altefähre), Handel mit Seefischen, Reederei (1893 123 Seeschiffe zu 13.017 Registertons). Stralsund besitzt ein großes Kommunalvermögen, zu dem Besitzungen in den Kreisen Franzburg und Rügen gehören. Östliche im Bodden die Insel Dänholm mit Festungswerken: Geschichte: Stralsund wurde 1209 vom Fürsten Jaromar I. von Rügen angelegt, wurde eine wichtige Hansestadt, verteidigte sich 1316 gegen Rügier und Dänen, führte 1522 die Reformation ein, trotzte 1628 mit schwedischer Hilfe Wallenstein (jährliches Jubelfest am 24. Juli) und gehörte 1648 bis 1815 zu Schweden; am 31. Mai 1809 fiel Schill in der Fährstraße. Stralsund ist Geburtsort der Naturforscher Burmeister (1807) und Karsten (1817) sowie Prof. Scheels, des Entdeckers des Sauerstoffs.

Besonderheiten nach dem Ortsbuch 1927:
Regierung, 2 Eisenbahnbetriebsämter, Maschinenamt, Verkehrsamt, 2 Abt. Schiffsstammdivision der Ostsee, Schupo, Gymnasium, Realschule, Lyzeum, Reichsbankstelle, Hauptzollamt, Handels- und Handwerkskammer.

Einwohner Stadt bzw. Stadtkreis Stralsund
27.765 (1875)
29.481 (1880)
28.984 (1885)
27.814 (1890), davon 26.580 Evangelische, 1.029 Katholiken, 109 Juden
31.076 (1900), davon 29.897 Evangelische,    923 Katholiken
33.988 (1910), davon 32.516 Evangelische, 1.215 Katholiken
39.469 (1925), davon 37.981 Evangelische, 1.078 Katholiken,   14 sonstige Christen, 116 Juden
43.630 (1933), davon 41.414 Evangelische, 1.287 Katholiken,     7 sonstige Christen, 134 Juden
49.295 (1939), davon 44.857 Evangelische, 1.879 Katholiken, 188 sonstige Christen,   63 Juden
58.303 (31.   8. 1950)
65.300 (31. 12. 1955)
65.758 (31. 12. 1960)
71.489 (  1.   1. 1971)
72.109 (31. 12. 1975)
74.421 (31. 12. 1981)
75.498 (31. 12. 1988)
73.100 (  3. 10. 1990)

Die Reichstagswahlen vom
im Stadtkreis Stralsund
5. 3. 1933
Abgegebene gültige Stimmen insgesamt26.429
NSDAP13.408
SPD5.947
KPD1.737
Zentrum260
DNVP (Kampffront Schwarz-weiß-rot)4.539
DVP - Deutsche Volkspartei277
Christlich-sozialer Volksdienst60
Deutsche Bauernpartei5
Deutsch-Hannoversche Partei-
DDP (Deutsche Staatspartei)187
Andere Parteien9


Einwohner Landkreis Stralsund
35.500 (31. 12. 1955)
33.561 (31. 12. 1960)
28.555 (31. 12. 1975)
24.300 (  3. 10. 1990)



Quellen:

Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01. 01. 1948 in den neuen Ländern. Herausgegeben vom Statistischen Bundesamt. Stuttgart, 1995.

Neumanns Orts-Lexikon des Deutschen Reichs. Ein geographisch-statistisches Nachschlagebuch für deutsche Landeskunde. Dritte, neu bearbeitete und vermehrte Auflage von Wilhelm Keil. Leipzig, 1894.

Das Ortsbuch für das Deutsche Reich. Herausgegeben in Verbindung mit der Deutschen Reichsbahn und Deutschen Reichspost. Berlin, 1927.

Ortslexikon der Deutschen Demokratischen Republik. Bearbeitet von Karla Balkow und Werner Christ. Heidelberg, 1986.

Statistik des Deutschen Reichs. Alte Folge, Band 57: Die Volkszählung im Deutschen Reich am 1. Dez. 1880. Berlin, 1883.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 32: Die Volkszählung im Deutschen Reich am 1. Dez. 1885. Berlin, 1888.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 150: Die Volkszählung am 1. Dez. 1900 im Deutschen Reich. Berlin, 1903.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 240: Die Volkszählung im Deutschen Reich am 1. 12. 1910. Berlin, 1915.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 401: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1925. Heft 1: Die Bevölkerung im Deutschen Reich nach den Ergebnissen der Volkszählung 1925. Teil I: Einführung in die Volkszählung 1925. Tabellenwerk. Berlin, 1928.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 434: Die Wahlen zum Reichstag am 31. Juli und 6. November 1932 und am 5. März 1933. Berlin, 1935.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Teil I: Altreich und Land Österreich. Berlin, 1939.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 451: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1933. Heft 3: Die Bevölkerung des Deutschen Reichs nach der Religionszugehörigkeit. Berlin, 1936.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 550: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Berlin, 1940.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 552: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 17. Mai 1939.
Heft 3: Die Bevölkerung des Deutschen Reichs nach der Religionszugehörigkeit. Berlin, 1942.
Heft 4: Die Juden und jüdischen Mischlinge im Deutschen Reich. Berlin, 1944.

Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1955. Herausgegeben von der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik. Berlin (Ost), 1956.

Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1960/61. Herausgegeben von der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik. Berlin (Ost), 1961.

Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1976. Herausgegeben von der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik. Berlin (Ost), 1976.

Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1989. Herausgegeben von der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik. Berlin (Ost), 1989.

Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1992. Herausgegeben vom Statistischen Bundesamt. Wiesbaden, 1992.


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