Stadtkreis Schneidemühl (poln. Pila)
(bis 1914 Kreis Kolmar/Posen, seit 1914 Stadtkreis,
1922-1938 Provinzialhauptstadt der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen)

Zugehörigkeit staatlich: Land Preußen,
1922-39 Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen
1939-45 Provinz Pommern, Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen
Zuständ. Justiz (1894): Amtsgericht Schneidemühl, Landgericht Schneidemühl, Oberlandesgericht Posen
Zuständ. Finanzamt (1927): Finanzamt Schneidemühl, Landesfinanzamt Stettin
Zuständ. Gau 1933-1945: Pommern
Zuständ. Militärdienst (1885): II. Armeekorps
Zugehörigkeit ev. Kirche: Evangelische Kirche der altpreußischen Union, Kirchenprovinz Pommern
Zugehörigkeit kath. Kirche: Freie Prälatur Schneidemühl


Stadtbeschreibung Schneidemühl nach Neumann 1894:
Stadt im Kreis Kolmar in Posen, gelegen an der Küddow; Standort 1 Bat. Inf. Nr. 34 und 1 Bat. Inf. 129; Bahnhof der Linien Schneidemühl-Dirschau, Berlin-Schneidemühl, Posen-Neustettin, Schneidemühl-Kallies und Schneidemühl-Thorn der Preußischen Staatsbahn; Reichsbanknebenstelle, Vorschussverein; Land-, Schwur- und Amtsgericht; Eisenbahnbetriebsamt, evangelische Kirche, katholische Kirche, deutschkatholische Kirche, Synagoge, Gymnasium, Taubstummenanstalt, Eisenbahnwerkstätte, Eisengierßerei, Maschinenfabrik, Dachpappenfabrik, Dampfmahlmühle, Dampfsägemühle, Dampftischlerei, Bierbrauerei, Ziegelbrennerei, Ackerbau; in Schneidemühl begründete Czerski 1844 eine der ersten deutschkatholischen Gemeinden. 1893 brach dort bei Anlage eines Brunnens ein starker Quell aus der Erde hervor, der große Verwüstungen anrichtete.

Besonderheiten nach dem Ortsbuch 1927:
Oberpräsidium der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen, Regierung, Eisenbahnbetriebsamt 1 und 2, Maschinenamt, Verkehrsamt, IR (4, 11 und 12), Schupo, Gymnasium, Oberrealschule, Lyzeum, Reichsbanknebenstelle, Zollämter (Bahnhof, Stadt, Plöttke), Handwerkskammer, Landwirtschaftskammer.

Einwohner Stadtkreis Schneidemühl
  9.724 (1875)
11.610 (1880)
12.406 (1885)
14.443 (1890), davon   8.931 Evangelische,   4.670 Katholiken, 798 Juden
37.518 (1925), davon 25.162 Evangelische, 11.262 Katholiken, 125 sonstige Christen, 586 Juden
43.180 (1933), davon 28.911 Evangelische, 13.325 Katholiken,   27 sonstige Christen, 492 Juden
43.836 (1939), davon 28.481 Evangelische, 13.598 Katholiken, 183 sonstige Christen, 118 Juden

Die Reichstagswahlen vom
im Stadtkreis Schneidemühl
5. 3. 1933
Abgegebene gültige Stimmen insgesamt25.384
NSDAP14.422
SPD2.168
KPD1.614
Zentrum5.019
DNVP (Kampffront Schwarz-weiß-rot)1.807
DVP - Deutsche Volkspartei110
Christlich-sozialer Volksdienst81
Deutsche Bauernpartei-
Deutsch-Hannoversche Partei-
DDP (Deutsche Staatspartei)163
Andere Parteien-



Quellen:

Neumanns Orts-Lexikon des Deutschen Reichs. Ein geographisch-statistisches Nachschlagebuch für deutsche Landeskunde. Dritte, neu bearbeitete und vermehrte Auflage von Wilhelm Keil. Leipzig, 1894.

Das Ortsbuch für das Deutsche Reich. Herausgegeben in Verbindung mit der Deutschen Reichsbahn und Deutschen Reichspost. Berlin, 1927.

Statistik des Deutschen Reichs. Alte Folge, Band 57: Die Volkszählung im Deutschen Reich am 1. Dez. 1880. Berlin, 1883.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 32: Die Volkszählung im Deutschen Reich am 1. Dez. 1885. Berlin, 1888.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 401: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1925. Heft 1: Die Bevölkerung im Deutschen Reich nach den Ergebnissen der Volkszählung 1925. Teil I: Einführung in die Volkszählung 1925. Tabellenwerk. Berlin, 1928.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 434: Die Wahlen zum Reichstag am 31. Juli und 6. November 1932 und am 5. März 1933. Berlin, 1935.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Teil I: Altreich und Land Österreich. Berlin, 1939.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 451: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1933. Heft 3: Die Bevölkerung des Deutschen Reichs nach der Religionszugehörigkeit. Berlin, 1936.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 550: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Berlin, 1940.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 552: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 17. Mai 1939.
Heft 3: Die Bevölkerung des Deutschen Reichs nach der Religionszugehörigkeit. Berlin, 1942.
Heft 4: Die Juden und jüdischen Mischlinge im Deutschen Reich. Berlin, 1944.


www.verwaltungsgeschichte.de Homepage Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871 - 1990 © 2006 by Dr. Michael Rademacher M.A.