Preußische Provinz Westpreußen 1871-1920

1. Oberpräsidenten
2. Bevölkerung
3. Wahlen
4. Verwaltungsstruktur
5. Landesbeschreibung 1894
Quellen und Literatur


1. Oberpräsidenten
1815 - 1824 Theodor Heinrich von Schön (Online-Kurzbiographie)
(1824 bis 1878 Teil der Provinz Preußen)
1878 - 1879 Heinrich Karl von Achenbach (Online-Kurzbiographie)
1879 - 1888 Karl Adolf Ernst von Ernsthausen (Online-Kurzbiographie)
1888 - 1891 Adolf Hilmar von Leipziger (Online-Kurzbiographie)
1891 - 1902 Gustav Heinrich Konrad von Goßler (Online-Kurzbiographie)
1902 - 1905 Clemens Gottlieb Ernst von Delbrück (Online-Kurzbiographie)
1905 - 1919 Ernst Ludwig von Jagow (Online-Kurzbiographie)
1940 - 1945 Albert Forster (Online-Kurzbiographie)


2. Bevölkerung

Einwohnerzahl Provinz Westpreußen
1.343.057 (1875)
1.405.898 (1880)
1.433.681 (1890), davon 681.195 Evangelische, 717.532 Katholiken, 13.158 andere Christen, 21.750 Juden
1.563.658 (1900), davon 730.685 Evangelische, 800.395 Katholiken, 14.308 andere Christen, 18.226 Juden

Muttersprache der Bevölkerung im Jahr 1900:
Deutsch: 1.007.400 (64,4 %)
Kassubisch: 99.357 (6,4 %)
Polnisch: 437.916 (28,0 %)
Zweisprachig Deutsch und Kassubisch: 1.349 (0,1 %)
Zweisprachig Deutsch und Polnisch: 16.130 (1,0 %)

Einwohnerzahl Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen
332.485 (1925)
337.578 (1933)


3. Wahlen

Die Reichstagswahlen von
in der Provinz Westpreußen
19071912
Deutschkonservativ17,2 %10,0 %
Reichspartei10,6 %18,8 %
Nationalliberal15,0 %15,1 %
Deutsche Reformpartei0,9 %0,4 %
Wirtschaftliche Vereinigung0,7 %-
Freisinnige Vereinigung3,0 %-
Fortschrittliche Volkspartei-4,5 %
Zentrum8,1 %7,0 %
Polenpartei36,0 %34,2 %
SPD7,0 %9,7 %
Andere Parteien1,4 %-
Unbestimmt-0,2 %
Zersplittert0,1 %0,1 %


4. Verwaltungsstruktur Provinz Westpreußen (vor 1920)

Regierungsbezirk Danzig
Berent (Landkreis)
Danzig (Stadtkreis)
Danziger Niederung (Landkreis)
Danziger Höhe (Landkreis)
Dirschau (Landkreis)
Elbing (Stadt- und Landkreis)
Karthaus (Landkreis)
Marienburg i. Westpreußen
Neustadt i. Westpreußen (Landkreis)
Preußisch Stargard (Landkreis)
Putzig (Landkreis)

Regierungsbezirk Marienwerder
Briesen (Landkreis)
Culm (Landkreis)
Deutsch Krone (Landkreis)
Flatow (Landkreis)
Graudenz (Stadt- und Landkreis)
Konitz (Landkreis)
Löbau (Landkreis)
Marienwerder (Landkreis)
Rosenberg i. Westpreußen (Landkreis)
Schlochau (Landkreis)
Schwetz (Landkreis)
Strasburg i. Westpreußen (Landkreis)
Stuhm (Landkreis)
Thorn (Stadt- und Landkreis)
Tuchel (Landkreis)


5. Landesbeschreibung 1894
"Westpreußen, preuß. Provinz, an der Ostsee (Landspitze Rixhöft, Halbinsel Hela oder Putziger Nehrung), dem Frischen Haff und der Weichsel im Norddeutschen Tiefland gelegen, 25.516 qkm (463,42 QM.) groß, wird von dem Norddeutschen Landrücken durchzogen, der im W. von der Weichsel mit seinem höchsten Teil im Reich überhaupt (Plateau von Karthaus mit dem 331 m h. Turmberg) sich der Ostsee nähert und mit seinen Rändern und Ausläufern dieselbe trifft, dagegen im O. von der Weichsel mehr südlich in großer Breite zieht, im SO. bei Löbau an der Grenze zu einer bedeutenden Höhe sich entwickelt, die ihren Kulminationspunkt (Kernsdorfer Höhe 313 m) aber erst in Ostpreußen erreicht. Ein für sich bestehendes Hochland auf der Ostgrenze ist noch das von Trunz (198 m) östl. von Elbing. Im S. vom Plateau von Karthaus breitet sich an der Brahe und dem Schwarzwasser eine weite, mit Kiefern (Tuchelsche Heide) bestandene, teilweise versumpfte (Rieselwiesen) Ebene aus, gleichsam eingebettet zwischen jenem Hochland und dem Pommerschen Höhenzug im N. und einer Reihe von Höhen (zuweilen über 200 m hoch) im S., die sich bis nach Posen hineinziehen. Diese weite Ebene dacht sich von 130 m in der Gegend der Braheseen (nördl. von Konitz) langsam bis zu 90 m gegen das Weichselthal nach SO. zu ab. Zwischen den Hügelmassen der Provinz liegen, tief eingebettet, die Niederungen an der Weichsel, bis zur Stromteilung an der Montauer Spitze abwärts nur 6-8, darauf in den Weichselwerdern bis über 50 km breit, außerordentlich fruchtbares Land umschließend, dem auf der Höhe nur das alte Kulmerland ziemlich nahekommt. Sonst ist die Bodenfruchtbarkeit, namentlich auf den Höhen im W. von der Weichsel und ganz im SO. bei Löbau, nur gering, von Baldenburg bis Karthaus sogar sehr gering. Der Hauptfluß ist die Weichsel, zu deren Gebiet die Drewenz, Ossa, Liebe, der Elbing, die Tiege, Brahe, das Schwarzwasser, die Montau, Ferse und die Mottlau mit der Radaune gehören; zur Netze (Odergebiet) fließt die Küddow; ein kleiner Küstenfluß ist die Rheda; sonst entspringen hier noch die Leba und Stolpe. Nennenswerte Kanäle sind der Weichsel-Nogatkanal an der Montauer Spitze und der Weichsel-Haffkanal als Verbindungsstraße zwischen Danzig und Elbing. Die Seen sind zahlreich; im O. von der Weichsel gibt es deren auf der ostpreuß. Grenze im System des Elbing-Oberländischen Kanals (Geserich-, Drausensee); im W. von der Weichsel sind sie vorzüglich in nicht zu großer Entfernung von der pommerschen Grenze anzutreffen: der Groß-Böttinsee im Kreis Deutsch-Krone, der Zietener, Müskendorfer See u. a. an der Brahe, der Wdzydsee am Schwarzwasser, der Radaunesee an der Radaune, der Zarnowitzer See ganz im N. Die jährliche Durchschnittswärme zeigt ihre Extreme zu Danzig (6,8) und Schönberg am Turmberg (5,1º R.). Von der Gesamtfläche entfallen 54,2 Proz. auf Acker und Gärten, 7,0 auf Wiesen, 10,8 auf Weiden, 21,2 Proz. auf Holzungen (Reinertrag: ha 7,5, A 11 Mk.). Nach der Viehzählung von 1892 waren vorhanden: 221,274 Pferde, 553,600 Stück Rindvieh, 952,025 Schafe, 424,908 Schweine, 78,808 Ziegen. Nach der Volkszählung von 1890 hatte W. 1,433,681 (1816: 571,081) Ew., davon 681,195 Evang. (13,000 Mennoniten), 717,532 Kath. und 21,750 Juden (439,577 Polen, 53,616 Kassuben); 56 Ew. auf 1 qkm). Die Gewerbszählung von 1882 ergab für W. 63,869 Betriebe mit 121,672 in denselben beschäftigten Personen, darunter 6847 Personen bei der Metallverarbeitung, 9101 bei der Fabrikation von Maschinen, Werkzeugen, Instrumenten und Apparaten, 7743 bei der Industrie der Holz- und Schnitzstoffe, 14,691 bei der Bereitung von Nahrungs- und Genußmitteln, 26,129 bei der Bekleidung und Reinigung, 11,035 bei den Bau- und 18,773 bei den Handelsgewerben. Die wichtigsten Seehandelsstädte sind Danzig und Elbing. Unter den Bildungsanstalten sind 13 Gymnasien, 5 Progymnasien, 4 Realgymnasien, 4 Realprogymnasien, 6 Schullehrerseminare etc. Die Provinz (Hauptstadt Danzig) zerfällt in die Regierungsbezirke Danzig mit 12 und Marienwerder mit 15 Kreisen. Auf dem Gebiet der Rechtspflege bildet W. mit Ausnahme des Kreises Deutsch-Krone den Bezirk des Oberlandesgerichts zu Marienwerder; in militärischer Hinsicht gehören die Kreise, die ganz auf der westl. Weichselseite liegen, zum Bezirk des 2., die übrigen zu dem des 1. Armeekorps."
(Quelle: Neumanns Orts-Lexikon des Deutschen Reichs. Ein geographisch-statistisches Nachschlagebuch für deutsche Landeskunde. Dritte, neu bearbeitete und vermehrte Auflage von Wilhelm Keil. Leipzig, 1894.)



Quellen und Literatur

Schwabe, Klaus (Hrsg.): Die preußischen Oberpräsidenten 1815 - 1945 (Büdinger Forschungen zur Sozialgeschichte; Bd. 15). Boppard am Rhein, 1985.

Statistik des Deutschen Reichs. Alte Folge, Band 57: Die Volkszählung im Deutschen Reich am 1. Dezember 1880. Berlin, 1883.
Statistik des Deutschen Reichs. Neu Folge, Band 68: Die Volkszählung am 1. Dezember 1890 im Deutschen Reich. Berlin, 1894.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 150: Die Volkszählung am 1. Dezember 1900 im Deutschen Reich. Berlin, 1903.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 250: Die Reichstagswahlen von 1912. Berlin, 1913.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 451: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1933. Heft 3: Die Bevölkerung des Deutschen Reichs nach der Religionszugehörigkeit. Berlin, 1936.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 550: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Berlin, 1940.


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