Preußische Provinz Hessen-Nassau

1. Oberpräsidenten
2. Bevölkerung
3. Wahlen
4. Verwaltungsstruktur
5. Landesbeschreibung 1894
Quellen und Literatur


1. Oberpräsidenten
1867 - 1871 Eduard von Möller (Online-Kurzbiographie)
1872 - 1875 Ludwig Karl Christoph von Bodelschwingh (Online-Kurzbiographie)
1876 - 1881 Carl Ludwig August Freiherr von Ende (Online-Kurzbiographie)
1881 - 1892 Botho Wend August Graf zu Eulenburg (Online-Kurzbiographie)
1892 - 1898 Eduard Ludwig Karl (seit 1904 von) Magdeburg (Online-Kurzbiographie)
1898 - 1903 Robert Graf von Zedlitz-Trützschler (Online-Kurzbiographie)
1903 - 1907 Ludwig von Windheim (Online-Kurzbiographie)
1907 - 1917 Wilhelm Hengstenberg (Online-Kurzbiographie)
1917 - 1918 August von Trott zu Solz (Online-Kurzbiographie)
1919 - 1930 Rudolf Schwander (Online-Kurzbiographie)
1930 - 1932 August Haas (Online-Kurzbiographie)
1932 - 1933 Ernst von Hülsen (Online-Kurzbiographie)
1933 - 1943 Philipp Prinz von Hessen (Online-Kurzbiographie)
1944 - 1945 Jakob Sprenger (Hessen-Nassau) (Online-Kurzbiographie)
1944 - 1945 Karl Gerland (Kurhessen) (Online-Kurzbiographie)


2. Bevölkerung

Einwohnerzahl Provinz Hessen-Nassau
1.400.370 (1871), davon    988.041 Evangelische, 371.736 Katholiken,   3.892 sonstige Christen, 36.390 Juden
1.467.898 (1875)
1.554.376 (1880)
1.664.426 (1890), davon 1.156.457 Evangelische, 455.477 Katholiken,   7.625 sonstige Christen, 44.543 Juden
1.897.981 (1900), davon 1.308.016 Evangelische, 530.541 Katholiken, 10.611 sonstige Christen, 48.105 Juden
2.396.871 (1925), davon 1.631.157 Evangelische, 674.175 Katholiken,   4.271 sonstige Christen, 52.757 Juden
2.584.828 (1933), davon 1.776.895 Evangelische, 709.701 Katholiken,   1.283 sonstige Christen, 46.923 Juden
2.675.111 (1939), davon 1.798.267 Evangelische, 741.384 Katholiken, 12.299 sonstige Christen, 20.662 Juden


3. Wahlen:

Die Reichstagswahlen von
in der Provinz Hessen-Nassau
19071912
Deutschkonservativ0,8 %3,9 %
Reichspartei4,2 %0,9 %
Nationalliberal17,6 %16,3 %
Deutsche Reformpartei2,4 %1,1 %
Wirtschaftliche Vereinigung12,9 %11,4 %
Freisinnige Vereinigung2,1 %-
Freisinnige Volkspartei5,8 %-
Deutsche Volkspartei4,5 %-
Fortschrittliche Volkspartei-14,5 %
Zentrum17,0 %11,7 %
SPD28,7 %34,6 %
Andere Parteien2,5 %3,9 %
Unbestimmt1,4 %1,6 %
Zersplittert0,1 %0,1 %


4. Verwaltungsstruktur Provinz Hessen-Nassau

1900

Regierungsbezirk Kassel
Landkreis Eschwege
Landkreis Frankenberg (Eder)
Landkreis Fritzlar
Landkreis Fulda
Landkreis Gelnhausen
Landkreis Gersfeld
Landkreis Grafschaft Schaumburg
Stadt- und Landkreis Hanau
Landkreis Herrschaft Schmalkalden
Landkreis Hersfeld
Landkreis Hofgeismar
Landkreis Homberg
Landkreis Hünfeld
Stadt- und Landkreis Kassel
Landkreis Kirchhain
Landkreis Marburg a. d. Lahn
Landkreis Melsungen
Landkreis Rinteln
Landkreis Rotenburg in Hessen-Nassau
Landkreis Schlüchtern
Landkreis Witzenhausen
Landkreis Wolfhagen
Landkreis Ziegenhain

Regierungsbezirk Wiesbaden
Landkreis Biedenkopf
Landkreis Dillkreis
Stadt- und Landkreis Frankfurt a. Main
Landkreis Höchst
Landkreis Limburg
Landkreis Oberlahnkreis
Landkreis Obertaunuskreis
Landkreis Oberwesterwaldkreis
Landkreis Rheingaukreis
Landkreis Sankt Goarshausen
Landkreis Unterlahnkreis
Landkreis Untertaunuskreis
Landkreis Unterwesterwaldkreis
Landkreis Usingen
Landkreis Westerburg
Stadt- und Landkreis Wiesbaden

1939

Regierungsbezirk Kassel

Regierungspräsident:
(1926) ?
(1944) K. von Monbart

Landkreis Kreis der Eder
Landkreis Kreis des Eisenbergs
Landkreis Eschwege
Landkreis Frankenberg (Eder)
Landkreis Fritzlar-Homberg
Stadt- und Landkreis Fulda
Landkreis Gelnhausen
Stadt- und Landkreis Hanau
Landkreis Herrschaft Schmalkalden
Landkreis Hersfeld
Landkreis Hofgeismar
Landkreis Hünfeld
Stadt- und Landkreis Kassel
Stadt- und Landkreis Marburg a. d. Lahn
Landkreis Melsungen
Landkreis Rotenburg in Hessen-Nassau
Landkreis Schlüchtern
Landkreis Kreis der Twiste
Landkreis Witzenhausen
Landkreis Wolfhagen
Landkreis Ziegenhain


Regierungsbezirk Wiesbaden

Regierungspräsident:
(1926) Ehrler
(1944) Schwebel

Landkreis Biedenkopf
Landkreis Dillkreis
Stadtkreis Frankfurt a. Main
Landkreis Limburg
Landkreis Main-Taunuskreis
Landkreis Oberlahnkreis
Landkreis Obertaunuskreis
Landkreis Oberwesterwaldkreis
Landkreis Rheingaukreis
Landkreis Sankt Goarshausen
Landkreis Unterlahnkreis
Landkreis Untertaunuskreis
Landkreis Unterwesterwaldkreis
Landkreis Usingen
Landkreis Wetzlar
Stadtkreis Wiesbaden



5. Landesbeschreibung 1894:
Hessen-Nassau, preußische Provinz, 15.692 qkm, wurde 1867 aus dem Kurfürstentum Hessen, dem Herzogtum Nassau und dem Gebiet der Freien Stadt Frankfurt a. M. mit geringen Ausnahmen sowie aus Landesteilen des Großherzogtums Hessen, aus homburgischen und bayrischen Gebieten gebildet und in die beiden Regierungsbezirke Kassel und Wiesbaden, beide in vielen Angelegenheiten außerordentlich verschieden, zerlegt. Wiesbaden wird meist vom Schiefergebirge (Taunus daselbst ganz, Westerwald größtenteils) ausgefüllt, ist reich an Erzen und Mineralquellen und enthält in der südlichen Abdachung des Taunus zu Beginn der Oberrheinischen Tiefebene im Rheingau die schönsten Weinlagen des Deutschen Reichs. Kassel wird vom Schiefergebirge nur berührt (Hainaisches Gebirge), ebenso vom Hercynischen Gebirgssystem an der Werra, umschließt aber vom Oberrheinischen Gebirgssystem den höchsten Teil der Hohen Rhön, Teile vom Spessart und ein mannigfaltig gegliedertes Bergland, vorzugsweise aus Buntsandstein mit zahlreichen Basaltdurchbrüchen bestehend, im nördlichen breiteren Teil des Bezirks (Knüllgebirge, Habichtswald, Kaufunger Wald, Reinhardswald etc.). Unter allen Provinzen des preußischen Staats hat Hessen-Nassau am wenigsten Tiefland, wegen des Berglands aber auch die meisten Waldungen. Die Flüsse (Kanäle und nennenswerte Seen gibt es nicht) gehören zum Weser- und Rheingebiet. Zum Wesergebiet gehören die Weser selbst und ihre Quellflüsse Werra und Fulda, ferner die Haune und die Eder (mit der Schwalm), beide zur Fulda, und die Diemel (zur Weser); zum Rheingebiet vor allem Rhein, Main und Lahn, sodann Kinzig und Nidda (zum Main), Wisper, Sayn und Wied (zum Rhein), Ohm mit Wohra, Dill und zahlreiche Bäche (zur Lahn). Das Klima ist auf den Bergländern rauh, weshalb der Ackerbau beschränkt ist (Westerwald), aber mild in den geschützten Tälern (Witzenhausen an der Werra) und im Süden (Frankfurt a. M. 7,7 R jährliche Durchschnittswärme). Von der Gesamtfläche entfallen auf Acker und Gärten 39,8 Prozent, Wiesen 11,5 Prozent, Weiden 4,4 Prozent, Holzungen 40,1 Prozent. Nach der Viehzählung von 1892 waren vorhanden: 72.288 Pferde, 545.678 Stück Rindvieh, 411.328 Schafe, 403.020 Schweine, 151.566 Ziegen. Die Volkszählung von 1890 ergab 1.664.426 (1871: 1.400.111) Einwohner, davon 1.156.457 Evangelische, 455.477 Katholiken und 44.543 Juden (105 Einwohner auf 1 qkm). Die Gewerbezählung von 1882 ergab: 122.329 Betriebe mit 236.446 in denselben beschäftigten Personen; von letzteren kamen 9.015 auf den Bergbau, das Hütten- und Salinenwesen, 19.349 auf die Metallverarbeitung, 11.537 auf die Fabrikation von Maschinen etc., 9.287 auf die Textilindustrie, 10.829 auf die Industrie der Holz- und Schnitzstoffe, 27.417 auf die Industrie der Nahrungs- und Genußmittel, 43.027 auf die Bekleidigung und Reinigung, 22.133 auf das Baugewerbe, 34.494 auf das Handelsgewerbe. Der Bergbau, das Hütten- und Salinenwesen brachten 1891: 302.739 Tonnen Braunkohlen, 616.819 Tonnen Eisenerze, 16.118 Tonnen Zinkerze, 11.868 Tonnen Bleierze, 20.028 Tonnen Manganerze, 12.821 Tonnen Roheisen, 13.455 Tonnen Blei, 26.295 kg Silber, 46.508 Tonnen Schwefelsäure etc. Unter den Bildungsanstalten sind 1 Universität, 14 Gymnasien, 4 Realgymnasien, 2 Oberrealschulen, 4 Progymnasien, 7 Realschulen, 15 Realprogymnasien, 1 höhere Bürgerschule, 1 Landwirtschaftsschule, 4 höhere Privat-Knabenerziehungsanstalten, 6 Schullehrerseminare, 1 Lehrerinnenseminar, 2 Präparandenanstalten, 3 Taubstummenanstalten, 2 Blindenanstalten etc. Die Provinz (Hauptstadt Kassel) zerfällt in die 2 Regierungsbezirke Kassel mit 24 und Wiesbaden mit 18 Kreisen. Es bestehen 3 kommunalständische Verbände: für den Regierungsbezirk Kassel, für den Regierungsbezirk Wiesbaden mit Ausnahme des Stadtkreises Frankfurt a. M. und für letzteren; ferner 2 Oberlandesgerichtsbezirke: zu Frankfurt a. M. und Kassel. In militärischer Hinsicht gehört die Provinz zum Bezirk des 11. Armeekorps mit Ausnahme des Kreises Rinteln (zum 10. Armeekorps).
(Quelle: Neumanns Orts-Lexikon des Deutschen Reichs. Ein geographisch-statistisches Nachschlagebuch für deutsche Landeskunde. Dritte, neu bearbeitete und vermehrte Auflage von Wilhelm Keil. Leipzig, 1894.)


Quellen und Literatur

Gothaisches Jahrbuch für Diplomatie, Verwaltung und Wirtschaft. Hundertdreiundsechzigster Jahrgang 1926. Gotha, 1926.

Gothaisches Jahrbuch für Diplomatie, Verwaltung und Wirtschaft. Hunderteinundachtzigster Jahrgang 1944. Gotha, 1944.

Schwabe, Klaus (Hrsg.): Die preußischen Oberpräsidenten 1815 - 1945 (Büdinger Forschungen zur Sozialgeschichte; Bd. 15). Boppard am Rhein, 1985.

Vierteljahreshefte zur Statistik des Deutschen Reichs für das Jahr 1873. Band II, Heft II, Abtheilung 1: Die Volkszählung im Deutschen Reiche vom 1. Dezember 1871. Berlin, 1873.
Statistik des Deutschen Reichs. Alte Folge, Band 57: Die Volkszählung im Deutschen Reich am 1. Dezember 1880. Berlin, 1883.
Statistik des Deutschen Reichs. Neue Folge, Band 68: Die Volkszählung am 1. Dezember 1890 im Deutschen Reich. Berlin, 1894.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 150: Die Volkszählung am 1. Dezember 1900 im Deutschen Reich. Berlin, 1903.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 250: Die Reichstagswahlen von 1912. Berlin, 1913.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Berlin, 1939.
Teil I: Altreich und Land Österreich.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 451: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1933. Heft 3: Die Bevölkerung des Deutschen Reichs nach der Religionszugehörigkeit. Berlin, 1936.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 550: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Berlin, 1940.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 552: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 17. Mai 1939.
Heft 3: Die Bevölkerung des Deutschen Reichs nach der Religionszugehörigkeit. Berlin, 1942.
Heft 5: Die Ausländer im Deutschen Reich. Berlin, 1943.


www.verwaltungsgeschichte.de Homepage Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871 - 1990 © 2006 by Dr. Michael Rademacher M.A.