Stadt- u. Landkreis Memel (lit. Klaipéda)

Zugehörigkeit staatlich: Preußen, Provinz Ostpreußen, Regierungsbezirk Gumbinnen
(1923 - 1939 Teil des von Litauen annektierten "Memelgebietes", ab 22. 3. 1939 wieder Teil der preußischen Provinz Ostpreußen, Regierungsbezirk Gumbinnen)
Zuständ. Justiz (1894): Amtsgericht Memel, Landgericht Tilsit, Oberlandesgericht Königsberg
Zuständ. Gau 1939-1945: Ostpreußen
Zuständ. Militärdienst 1885: I. Armeekorps
Zugehörigkeit ev. Kirche: Evangelische Kirche der altpreußischen Union, Kirchenprovinz Ostpreußen
Zugehörigkeit kath. Kirche: Bistum Ermland, Freie Prälatur Memel


a) Stadt bzw. Stadtkreis Memel

Stadtbeschreibung :
Gelegen am Einfluss der für Seeschiffe fahrbaren Dange in das Tief von Memel, das das Kurische Haff mit der Ostsee verbindet; Militär: 1 Bat. Inf.-Reg. Nr. 41; Bahnhof der Linien Insterburg-Memel u. Memel-Bajohren der Preußischen Staatsbahn, Reichsbankstelle, Kreditverein, Vorschussverein, Landratsamt; Amtsgericht nebst Strafkammer für die Amtsgerichtsbezirke Memel und Prökuls und Kammer für Handelssachen für die Amtsgerichtsbezirke Memel, Prökuls und Ruß; Hauptzollamt, Prüfungskommission für Seefahrer und Lotsen, Lotsenstation, Navigationshauptschule, Börse, 16 Konsuln, zwei evangelische Pfarrkirchen, eine englische Kirche, eine katholische Kirche, drei Synagogen, Gymnasium, schöne Lindenallee durch die Stadt, Eisengießereien, Maschinenfabriken, Seifenfabrik, Chemikalienfabrik, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Kalkbrennerei, Ziegelbrennerei, Sägemühlen, Schiffswerften, bedeutender Holzhandel, Getreidehandel, Flachshandel, Hanfhandel etc., durch zwei Forts verteidigter Hafen (davon eines auf der Spitze der Kurischen Nehrung; Memel erhielt 1254 lübisches Stadtrecht und wurde 1328 von Kurland getrennt; Memel ist Geburtsort des Dichters Simon Dach (1605-1659), große Feuersbrunst im Jahr 1874)

Einwohner Stadtkreis Memel
19.282 (1890), davon 17.206 Evangelische, 723 Katholiken, 861 Juden (900 Litauer)
35.927 (1925)

Konfessionsstruktur Stadt Memel 1890:
Evangelisch: 17.206 (89,2 %)
Katholisch: 723 (3,7 %)
Jüdisch: 861 (4,5 %)
Sonstige: 492 (2,6 %)

Die Reichstagswahlen von
im Wahlkreis Memel-Heydekrug
19071912
Deutschkonservativ31,2 %-
Nationalliberal27,2 %47,5 %
SPD18,4 %20,9 %
Litauer23,2 %31,5 %
Zersplittert0,0 %0,1 %
Anm.: Der Wähler hatte die Möglichkeit, eine Partei oder eine Person zu wählen, die nicht auf dem Stimmzettel verzeichnet war (Partei: unbestimmte Stimme; Person: zersplitterte Stimme)



b) Landkreis Memel

Einwohner Landkreis Memel (einschl. Stadt Memel)
59.410 (1890), davon 55.839 Evangelische, 1.863 Katholiken, 982 Juden (25.000 Litauer)
59.797 (1900), davon 55.768 Evangelische, 2.278 Katholiken
61.972 (1910), davon 57.869 Evangelische, 2.615 Katholiken
30.325 (1925)

Konfessionsstruktur Stadt u. Landkreis Memel 1890:
Evangelisch: 55.839 (94,0 %)
Katholisch: 1.863 (3,1 %)
Jüdisch: 982 (1,7 %)
Sonstige: 726 (1,2 %)

Die Gemeinden des Landkreises Memel:
(Stand von 1939 durchnummeriert)

1. Aglohnen (Aglonen, lit. Agluonénai):
(1894 Amtsgericht Prökuls, Post Aglonen)
110 Einwohner (1885)
442 Einwohner (1925)

Althof:
(Gebildet am 1. 10. 1939 aus einem Teil der Gemeinde Götzhöfen)
175 Einwohner (1939)

Bachmann:
(Gebildet am 1. 10. 1939 aus einem Teil der Gemeinde Krucken-Görge)
199 Einwohner (1939)

2. Bajohren:
394 Einwohner (1925)

3. Birkenhain:
264 Einwohner (1925)

Bommelsvitte, Dorf:
(1894 Kreis, Amtsgericht und Post Memel;
Besonderheiten 1894: Schifffahrt, Fischerei, an der Mündung des Tiefs in die Ostsee ein Leuchtturm und Festungswerke)
3.617 Einwohner (1875)
3.420 Einwohner (1880)
3.378 Einwohner (1890), davon 2.300 Litauer
3.106 Einwohner (1905)
2.943 Einwohner (1910)

4. Buddelkehmen:
332 Einwohner (1925)

5. Dargußen:
359 Einwohner (1925)

6. Darzeppeln:
469 Einwohner (1925)

7. Daugmanten:
385 Einwohner (1925)

8. Dawillen:
605 Einwohner (1925)

9. Deegeln:
419 Einwohner (1925)

10. Deutsch Crottingen:
321 Einwohner (1925)

11. Dittauen:
666 Einwohner (1925)

12. Drawöhnen:
334 Einwohner (1925)

13. Drucken:
309 Einwohner (1925)

14. Dumpen:
496 Einwohner (1925)

15. Gabergischken:
262 Einwohner (1925)

16. Gelßinnen:
405 Einwohner (1925)

17. Girngallen-Gedmin:
329 Einwohner (1925)

18. Girngallen-Matz:
407 Einwohner (1925)

19. Götzhöfen:
545 Einwohner (1925)
370 Einwohner (1939, nach Ausgliederung der Gemeinde Althof)

20. Grabsten:
444 Einwohner (1925)

21. Groß Jagschen:
697 Einwohner (1925)

22. Hohenflur:
337 Einwohner (1925)

23. Ißluße:
151 Einwohner (1925)

24. Jankeiten:
315 Einwohner (1925)

25. Kairinn:
363 Einwohner (1925)

26. Kantweinen:
401 Einwohner (1925)

27. Karkelbeck:
841 Einwohner (1925)

28. Karlsberg:
404 Einwohner (1925)

29. Kebbeln:
563 Einwohner (1925)

30. Kerndorf:
452 Einwohner (1925)

31. Kissinnen:
216 Einwohner (1925)

32. Klausmühlen:
311 Einwohner (1925)

33. Kollaten:
321 Einwohner (1925)

34. Krucken-Görge:
838 Einwohner (1925)
639 Einwohner (1939, nach Ausgliederung der Gemeinde Bachmann)

35. Lankuppen:
447 Einwohner (1925)

36. Lankutten:
174 Einwohner (1925)

37. Laugallen:
217 Einwohner (1925)

38. Launen:
211 Einwohner (1925)

39. Leisten:
192 Einwohner (1925)

40. Lingen:
351 Einwohner (1925)

41. Löllen:
368 Einwohner (1925)

42. Matzkieken:
218 Einwohner (1925)

43. Mellneraggen:
446 Einwohner (1925)

44. Mißeiken:
298 Einwohner (1925)

45. Nidden (russ. Neringa, lit. Nida):
736 Einwohner (1925)

46. Nimmersatt (russ. Nemerzata):
399 Einwohner (1925)

47. Paul-Narmund:
343 Einwohner (1925)

48. Perwelk:
153 Einwohner (1925)

49. Piaulen:
299 Einwohner (1925)

50. Plicken:
996 Einwohner (1925)

51. Pößeiten:
367 Einwohner (1925)

52. Preil:
223 Einwohner (1925)

53. Prökuls:
1.101 Einwohner (1925)

54. Rooken:
337 Einwohner (1925)

55. Sakuten:
620 Einwohner (1925)

56. Schäferei:
215 Einwohner (1925)

57. Schilleningken:
513 Einwohner (1925)

58. Schlappschill:
314 Einwohner (1925)

(Königlich) Schmelz:
(1894 Amtsgericht Memel, Post Königlich-Schmelz)
4.371 Einwohner (1875)
4.147 Einwohner (1880)
4.338 Einwohner (1890) (davon 2.100 Litauer)
5.451 Einwohner (1905)
6.030 Einwohner (1910)

59. Schnaugsten:
330 Einwohner (1925)

60. Schudebarsden:
219 Einwohner (1925)

61. Schwarzort:
408 Einwohner (1925)

62. Schwenzeln:
415 Einwohner (1925)

63. Stankeiten:
360 Einwohner (1925)

64. Starrischken:
267 Einwohner (1925)

65. Stragna:
306 Einwohner (1925)

66. Stutten:
353 Einwohner (1925)

67. Szimken:
595 Einwohner (1925)

68. Truschellen:
1.101 Einwohner (1925)

69. Wallehnen:
298 Einwohner (1925)

70. Wannaggen:
841 Einwohner (1925)

71. Wensken:
279 Einwohner (1925)

72. Wilkieten:
441 Einwohner (1925)

73. Wowerischken:
177 Einwohner (1925)



Quellen:

Neumanns Orts-Lexikon des Deutschen Reichs. Ein geographisch-statistisches Nachschlagebuch für deutsche Landeskunde. Dritte, neu bearbeitete und vermehrte Auflage von Wilhelm Keil. Leipzig, 1894.

Statistik des Deutschen Reichs. Alte Folge, Band 57: Die Volkszählung im Deutschen Reich am 1. Dezember 1880. Berlin, 1883.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 150: Die Volkszählung am 1. Dez. 1900 im Deutschen Reich. Berlin, 1903.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 240: Die Volkszählung im Deutschen Reiche am 1. 12. 1910. Berlin, 1915.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 250: Die Reichstagswahlen von 1912. Berlin, 1913.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Teil II: Sudetendeutsche Gebiete und Memelland. Berlin, 1939.


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