Land Anhalt

1. Staatsoberhäupter und Regierungschefs 1871 - 1945
1.1. Die Herzöge des Herzogtums Anhalt 1863 - 1918
1.2. Die Regierungschefs des Freistaats Anhalt 1918 - 1933/45
2. Die Bevölkerung des Landes Anhalt
3. Verwaltungsstruktur Land Anhalt
4. Wahlen im Land Anhalt 1871 - 1945
5. Landesbeschreibung 1894
Quellen und Literatur




1. Staatsoberhäupter und Regierungschefs 1871 - 1945

1.1. Die Herzöge des Herzogtums Anhalt 1863 - 1918
1863 - 1871 Leopold IV. (1794 - 1871)
1871 - 1904 Friedrich I. (1831 - 1904)
1904 - 1918 (21. 4.) Friedrich II. (1856 - 1918)
1918 (21. 4. - 13. 9.) Eduard (1861 - 1918)
1918 (13. 9. - 12. 11. unter Vormundschaft d. Regenten Aribert) Joachim Ernst (1901 - 1947)

Staatsminister:
1902 - 1909 Johann von Dallwitz (Online-Kurzbiographie)

1.2. Die Regierungschefs des Freistaats Anhalt 1918 - 1933/45
12. 11. 1918 - 23. 7. 1919Wolfgang Heine (1861-1944), SPD
23. 7. 1919 - 9. 7. 1924Heinrich Deist (1874-1962), SPD
9. 7. 1924 - 25. 11. 1924Willy Knorr (1878-1937), DNVP
25. 11. 1924 - 21. 5. 1932Deist
21. 5. 1932 - 8. 1. 1940Alfred Freyberg, NSDAP (Online-Kurzbiographie)
8. 1. 1940 - April 1945Reichsstatthalter Rudolf Jordan (Online-Kurzbiographie), mit der Führung der Landesregierung beauftragt


2. Die Bevölkerung des Landes Anhalt

Einwohnerzahl Land Anhalt
203.437 (1871), davon 198.107 Evangelische,   3.378 Katholiken,      56 sonstige Christen, 1.896 Juden
213.565 (1875)
232.592 (1880)
248.166 (1885), davon 240.983 Evangelische,   5.492 Katholiken,      89 sonstige Christen, 1.601 Juden
271.963 (1890), davon 261.215 Evangelische,   8.875 Katholiken,    281 sonstige Christen, 1.580 Juden
316.085 (1900), davon 301.953 Evangelische, 11.699 Katholiken,    794 sonstige Christen, 1.605 Juden
351.045 (1925), davon 320.850 Evangelische, 14.129 Katholiken,    248 sonstige Christen, 1.140 Juden
364.415 (1933), davon 320.708 Evangelische, 13.008 Katholiken,      16 sonstige Christen,    901 Juden
431.422 (1939), davon 376.163 Evangelische, 29.657 Katholiken, 2.191 sonstige Christen,    349 Juden


3. Verwaltungsstruktur Land Anhalt

1900
Ballenstedt
Bernburg
Dessau
Köthen
Zerbst

1939
Landkreis Ballenstedt
Stadt- und Landkreis Bernburg
Stadtkreis Dessau
Landkreis Dessau-Köthen
Stadtkreis Köthen
Stadt- und Landkreis Zerbst



4. Wahlen im Land Anhalt 1871 - 1945

Die Reichstagswahlen von 1871187419071912
Deutschkonservativ---7,6 %
Nationalliberal74,7 %66,7 %28,6 %27,0 %
Fortschrittspartei18,1 %4,4 %--
Freisinnige Vereinigung--29,2 %-
Fortschrittliche Volkspartei---12,3 %
Polenpartei--0,1 %-
Sozialdemokraten6,0 %28,8 %42,1 %46,2 %
Andere Parteien---6,8 %
Unbestimmt u. zersplittert1,2 %0,1 %0,0 %0,1 %

Wahlen zum Landtag Anhalt vom 15. 12. 1918:
22 SPD
12 Demokratische Partei
  2 Deutschnationale
Landtagspräsident: Peus
Landtagsvizepräsident: Günther (Dessau)

Die Reichstagswahlen vom
im Land Anhalt
20. 5. 192814. 9. 19305. 3. 1933
Wahlbeteiligung87,8 %92,0 %93,8 %
Abgegebene gültige Stimmen insgesamt203.010220.081232.467
NSDAP4.67643.634107.186
SPD87.40484.97771.551
KPD15.54323.74126.564
Zentrum2.4292.6033.040
DNVP (Kampffront Schwarz-weiß-rot)28.7758.23119.501
DVP - Deutsche Volkspartei37.82822.8982.594
Christlich-sozialer Volksdienst-1.338520
DDP (Deutsche Staatspartei)10.0605.0261.416
Andere Parteien16.29514.73212.996


5. Landesbeschreibung Anhalt nach Neumann 1894
"Anhalt, Herzogtum (2294 qkm = 41,66 QM., 271,963 Ew. (118 auf 1 qkm), davon 261,215 Evang., 8.875 Kath., 1580 Juden), besteht neben 5 kleineren Stücken aus Hauptteilen, von denen der größere, östliche ganz im Norddeutschen Tiefland an der Elbe, Mulde und Saale liegt, während der kleinere, westliche, an der Seite, sich aus dem Tiefland auf den Unterharz hinaufzieht (Viktorshöhe auf dem Ramberg 537 m). Der Boden ist im Tiefland meist von größter Fruchtbarkeit, nur im NO. gegen Brandenburg hin, gibt es Sandstriche. Daher blühen Acker-, Obst- u. Gartenbau. Vortreffliche Wiesen findet man in den Auen der Elbe, schöne Eichenwaldungen ebendaselbst, die Buche in herrlichen Waldungen auf dem Harz. Von der Gesamtfläche entfallen auf Acker und Gärten 61,5 Proz., Wiesen 7,2, Weiden 1,4 und auf die Waldungen 24,3 Proz. Die Bergwerke, Salinen und Hütten ergaben 1891 eine Produktion von 911,637 Tonnen Braunkohlen, 1571 T. Bleierzen, 188,749 T. Steinsalz, 19,205 T. Kainit, 246,169 T. andern Kalisalzen, 51,974 T. Chlorkalium, 10,910 T. schwefelsaurer Magnesia, 445 T. Blei, 959 kg Silber etc. Nach der Viehzählung von 1892 hatte A. 17,360 Pferde, 59,985 Stück Rindvieh, 110,107 Schafe, 72,506 Schweine und 30,206 Ziegen; nach der Gewerbezählung von 1882: 17,994 Betriebe mit 46,548 darin beschäftigten Personen, unter denen sich 9750 Personen bei der Bereitung von Nahrungs- und Genußmitteln und 2726 beim Bergbau, Hütten- u. Salinenwesen befanden. Die Verfassung datiert von 1859. Die Volksvertretung besteht aus 36 Mitgliedern, von denen 2 vom Herzog für die Dauer der Landtagsperiode ernannt, 8 von den meistbesteuerten Grundbesitzern, 2 von den meistbesteuerten Industriellen, 14 und 10 von den übrigen Wahlberechtigten der Städte und des platten Landes in indirekten Wahlen ohne Zensus gewählt werden. Die oberste Landesbehörde ist das Staatsministerium, dem die Regierung in 2 Abteilungen (für das Innere und Schulwesen und für die Finanzen), das Konsistorium und die Generalkommission für Separation und Ablösung unterstehen. Eingeteilt ist das Land in 5 Kreise: Ballenstedt, Bernburg, Dessau, Köthen und Zerbst. Für das Zollwesen steht Anhalt unter der Provinzial-Steuerdirektion in Magdeburg. Für das Justizwesen (unter dem Oberlandesgericht in Naumburg a. S.) bestehen ein Landgericht in Dessau und 11 Amtsgerichte. An Bildungsanstalten hat A. 4 Gymnasien, 2 Realgymnasien, 1 Realprogymnasium, 1 Realschule, 1 Schullehrerseminar etc. 1872 hat eine Auseinandersetzung des herzoglichen Hauses mit dem Landtag bezüglich des Domaniums stattgefunden; deshalb erscheint eine Zivilliste im Etat nicht. Der Hauptfinanzetat für 1892/93 beträgt in der Einnahme 16,528,100 Mk. (eigne Einnahmen 11,762,000 [Domanialverwaltung 3,050,987], von Bergwerken 4,472,160), Einnahmen für das Reich 5,062,000 [Rübenzuckersteuer 2,200,000]), in der Ausgabe 16,824,000 (eigne Ausgaben 11,762,000, Reichssteuern 5,062,000) Mk.; für 1872 betrug derselbe in Einnahme u. Ausgabe je 13,201,500 Mk. Der Stand der Staatsschulden war 30. Juni 1892: 3,614,919, der Aktivkapitalien 5,389,753 Mk. An Dotationen aus dem Landesvermögen sind überwiesen: den 5 Kreiskommunalverbänden 3,450,000 und dem Landarmenverband 1,926,000 Mk."



Quellen und Literatur

Gothaisches Jahrbuch für Diplomatie, Verwaltung und Wirtschaft 1920. Gotha, 1920.

Neumanns Orts-Lexikon des Deutschen Reichs. Ein geographisch-statistisches Nachschlagebuch für deutsche Landeskunde. Dritte, neu bearbeitete und vermehrte Auflage von Wilhelm Keil. Leipzig, 1894.

Regenten und Regierungen der Welt. Minister-Ploetz. Teil II. Band 4: Neueste Zeit 1917/18-1964. Würzburg, 2. Aufl. 1964.

Statistik des Deutschen Reichs. Alte Folge, Band 57: Die Volkszählung im Deutschen Reich am 1. Dezember 1880. Berlin, 1883.
Statistik des Deutschen Reichs. Neu Folge, Band 32: Die Volkszählung im Deutschen Reich am 1. Dez. 1885. Berlin, 1888.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 68: Die Volkszählung am 1. Dezember 1890 im Deutschen Reich. Berlin, 1894.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 150: Die Volkszählung am 1. Dezember 1900 im Deutschen Reich. Berlin, 1903.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 250: Die Reichstagswahlen von 1912. Berlin, 1913.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 372: Die Wahlen zum Reichstag am 20. Mai 1928. Berlin, 1930.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 382: Die Wahlen zum Reichstag am 14. September 1930. Berlin, 1932
Statistik des Deutschen Reichs. Band 434: Die Wahlen zum Reichstag am 31. Juli und 6. November 1932 und am 5. März 1933 (Sechste bis achte Wahlperiode). Berlin, 1935.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Berlin, 1939.
Teil I: Altreich und Land Österreich.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 451: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1933. Heft 3: Die Bevölkerung des Deutschen Reichs nach der Religionszugehörigkeit. Berlin, 1936.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 550: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Berlin, 1940.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 552: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 17. Mai 1939.
Heft 3: Die Bevölkerung des Deutschen Reichs nach der Religionszugehörigkeit. Berlin, 1942.
Heft 5: Die Ausländer im Deutschen Reich. Berlin, 1943.

Vierteljahreshefte zur Statistik des Deutschen Reichs für das Jahr 1873. Band II, Heft II, Abtheilung 1: Die Volkszählung im Deutschen Reiche vom 1. Dezember 1871. Berlin, 1873.
Vierteljahreshefte zur Statistik des Deutschen Reichs für das Jahr 1874. Band VII, Heft II der Statistik des Deutschen Reichs. Berlin, 1874. S. 108-110. (Reichstagswahlen von 1874)


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