Priesterschicksale
im Dritten Reich
 

George Orwell, Japan und die BBC


Die Rolle des totalitären Japan bei der Entstehung von Nineteen Eighty-Four


Von Michael Rademacher (Vechta)


Veröffentlicht in:
Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen,
149. Jahrgang, 234. Band, 1. Halbjahresband 1997, S. 33-54.


1. Thema und Fragestellung

Betrachtet man die Sekundärliteratur zu George Orwells Nineteen Eighty-Four, so fällt die Dominanz der werkimmanenten Interpretation auf; der historische Kontext wird im allgemeinen nur äußerst selektiv einbezogen. Dies ist erstaunlich, da George Orwell sich selber als politischen Schriftsteller und als Kommentator der zeitgenössischen politischen Ereignisse sah. Ohne genaue Kenntnis des zeitgenössischen Hintergrundes sind also viele Einzelzüge seines Werkes "nicht zu verstehen,"1 wie Hans-Christoph Schröder in seiner Orwell-Biographie feststellt. Ein Beitrag zu dieser historisch orientierten Orwell-Forschung soll im folgenden geleistet werden.

Sucht man nach historischen Vorbildern für die in Nineteen Eighty-Four beschriebene totalitäre Gesellschaftsordnung, so kommt dafür natürlich in erster Linie die Sowjetunion unter Stalin in Frage. Die Sowjetunion war 1949, als Nineteen Eighty-Four veröffentlicht wurde, die einzige große totalitäre Macht auf der Welt, nachdem die totalitären Systeme in Deutschland und Japan mit dem Ende des 2. Weltkrieges von den Alliierten beseitigt worden waren und das faschistische Regime in Italien 1943 von selber zusammengebrochen war. Die weitere Entwicklung in China war zu diesem Zeitpunkt ungewiß.

Sicherlich gibt 'Väterchen' Stalin ein gutes Vorbild für den 'Big Brother' aus Nineteen Eighty-Four ab. Und sicherlich hat Crick recht, wenn er schreibt, daß Eugene Lyons' Buch Assignment in Utopia über den Stalinismus, das George Orwell 1938 las,2 einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht haben muß, findet sich doch in diesem Buch der Satz: "The slogan 'The Five-Year Plan in Four Years' was advanced, and the magic symbols '5-in-4' and '2+2=5' were posted and shouted throughout the land."3 Hier liegt der Ursprung für die Kontroverse zwischen O'Brien und Winston Smith über die Existenz einer objektiven Wahrheit, verdichtet in der Frage, ob zwei und zwei vier ergeben, unabhängig davon, ob der 'Big Brother' oder die Partei etwas anderes behaupten oder nicht.4

Diese Leugnung der Existenz einer objektiven Wahrheit sah George Orwell nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch im nationalsozialistischen Deutschland. Schon 1942 schrieb er in "Looking Back on the Spanish War":


Nazi theory indeed specifically denies that such a thing as 'the truth' exists. There is, for instance, no such thing as 'science'. There is only 'German science', Jewish science' etc. The implied objective of this line of thought is a nightmare world in which the Leader, or some ruling clique, controls not only the future but the past. If the Leader says of such and such an event, 'It never happened' - well, it never happened. If he says that two and two are five - well, two and two are five. This prospect frightens me much more than bombs - and after our experiences of the last few years that is not a frivolous statement.5


Interpretiert man also, wie Lange6 dies tut, Nineteen Eighty-Four ausschließlich als antikommunistisch, so macht man es sich zu einfach. George Orwell selber schrieb über Nineteen Eighty-Four in einem Brief an Francis A. Henson vom 16. 6. 1949:


I believe (. . . ) that totalitarian ideas have taken root in the minds of intellectuals everywhere, and I have tried to draw these ideas out to their logical consequences. The scene of the book is laid in Britain in order to emphasize that the English-speaking races are not innately better than anyone else and that totalitarianism, if not fought against, could triumph anywhere.7


George Orwell beabsichtigte demnach nicht eine Auseinandersetzung mit der sowjetischen Spielart des Totalitarismus, sondern es ging ihm darum, "to warn the world against the threat of totalitarianism, whether from the Right or the Left."8

'Totalitarismus' ist ein recht weiter Begriff, der nicht nur das stalinistische, sondern auch faschistische Regime aller Art kennzeichnet. George Orwell machte sich 1944 über die Definition des Begriffes 'Faschismus' Gedanken. In seiner Kolumne "As I Please" schrieb er am 24. 3. 1944:


It is not easy, for instance, to fit Germany and Japan into the same framework, and it is even harder with some of the small states which are describable as Fascist. (...) But still, when we apply the term 'Fascism' to Germany or Japan or Mussolini's Italy, we know broadly what we mean. It is in internal politics that this word has lost the last vestige of meaning9 .


Japan wird hier als eindeutig faschistisch charakterisiert, was nahelegt, daß auch das totalitäre Japan eine Rolle bei der Entstehung von Nineteen Eighty-Four gespielt hat. Dieser Aspekt wurde - im Unterschied zur Rolle Nazideutschlands10 - bisher in der Literatur völlig übersehen. Das mag daran liegen, daß George Orwell sich nie sonderlich für Japan interessiert hat: Unter seinen zahlreichen Aufsätzen, Artikeln, Briefen etc. findet sich kein einziger, der sich primär mit dem Thema 'Japan' beschäftigt. Über die Bücher von Lafcadio Hearne11, die er 1934 las, schrieb er: "tiresome stuff, & and he idolizes the Japanese, who always seem to me such a boring people."12

Nur einmal mußte sich George Orwell mit dem Thema 'Japan' befassen: während seiner Zeit bei der BBC. Weder in der biographischen Literatur über George Orwell noch in der Sekundärliteratur über Nineteen Eighty-Four wurde denn auch bisher dem Aspekt 'Japan' die geringste Beachtung geschenkt, auch nicht in den neuesten Arbeiten von Hans-Christoph Schröder, George Orwell: Eine intellektuelle Biographie (München, 1988), Michael Shelden, Orwell - The Authorized Biography (London, 1992), Stephen Ingle, George Orwell - A Political Life (Manchester, 1993) und Carlo Pagetti, Il diario e il microfono - Il pianeta di George Orwell (Turin, 1994).

In dieser Arbeit soll daher erstmals mit einiger Gründlichkeit der Frage nachgegangen werden, inwiefern das totalitäre Japan der Kriegszeit als Modell für die in Nineteen Eighty-Four geschilderte Gesellschaftsordnung gedient haben könnte, bzw. welche Rolle die propagandistische Auseinandersetzung mit Japan bei der Entstehung von Nineteen Eighty-Four gespielt hat. Die Bedingungen für diese Untersuchung sind günstig, da seit 1985 Orwells Kriegskommentare, Skripte für literarische und andere Sendungen sowie weitere umfangreiche Unterlagen aus George Orwells Zeit bei der BBC veröffentlicht vorliegen.13




2. George Orwell und die antijapanische Propaganda der Indian Section der BBC

Vom August 1941 bis zum November 1943 arbeitete George Orwell für die Indian Section des Eastern Service der BBC. Die BBC, die während des Zweiten Weltkrieges der Zensur des 'Ministry of Information' unterlag, war das direkte Vorbild für den Arbeitsplatz von Winston Smith im 'Ministry of Truth' in Orwells Nineteen Eighty-Four.14 Trotzdem kommt Crick in seiner Orwell-Biographie zu dem Schluß:


Then for two precious years his talents were mainly wasted, his colleagues later agreed, in producing cultural programmes for intellectuals in India and South-East Asia, heard by few and unlikely to have influenced even them."15


Ein etwas differenzierteres Bild findet sich in der neueren Biographie von Shelden, der klar unterscheidet zwischen den Kulturprogrammen und den Kriegskommentaren.16

Während die Kulturprogramme tatsächlich nur wenig Beachtung fanden, hatten George Orwells Kriegskommentare und andere aktuelle Nachrichtensendungen doch eine vergleichsweise große Zuhörerschaft - es gab in Indien immerhin ca. 150 000 Radiogeräte, mit denen man die Sendungen der BBC empfangen konnte. Bei einer Bevölkerung von 300 Millionen erscheint dies wenig. Man muß aber bedenken, daß viele dieser Geräte in Gasthäusern, Teestuben u. ä. standen und jeder Radiohörer das Gehörte sofort weitererzählte. Dies galt für die britischen genauso wie für die Propagandasendungen der Achsenmächte. In einer Aufzeichnung über die Lage in Indien stellte der Staatssekretär z.b.V. Keppler vom Auswärtigen Amt in Berlin am 26. 1. 1943 fest:


Mag die Zahl der Apparate noch so gering sein und mag die Regierung aus selbst zugegebener Furcht vor dem "Achsenrundfunk" noch so viele Empfangsgeräte konfiszieren - die orientalische Gepflogenheit der Dorf- und Basargerüchte garantiert die Verbreitung jeder sensationellen Meinung und Nachricht in einem für Europa unvorstellbaren Ausmaß."17


Daß die englische Propaganda in Indien - im Gegensatz zu George Orwells Behauptungen - recht erfolgreich war, geht aus einer Meldung der deutschen Gesandtschaft in Kabul, die für die deutsche Propaganda in Indien zuständig war, hervor. Am 18. Januar 1943 meldete die deutsche Gesandtschaft an das Auswärtige Amt in Berlin bezüglich der indischen Unabhängigkeitsbewegung:


Die britische anti-japanische Propaganda ist sehr erfolgreich unter den Indern gewesen, besonders auch - wie früher gemeldet - unter den Mohammedanern, und hat der "Bewegung" erhebliche Schwierigkeiten bereitet trotz der wiederholten japanischen Erklärungen.18


George Orwell hatte Anfang Oktober 1942 ein längeres Gespräch mit Laurence Brander, der im Auftrag der BBC in Indien gewesen war um festzustellen, welche Resonanz die Sendungen der BBC fanden. Er berichtete George Orwell, daß die Nachrichtensendungen der BBC auf reges Interesse bei den Indern stießen, "because they regard it as more truthful than that given out by Tokyo or Berlin."19

Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn im Gegensatz zur deutschen Propaganda war die japanische in einem desolaten Zustand, was zum Teil daran lag,


daß Heer und Marine sich ständig in den Haaren lagen und für ihre Propaganda getrennte Organisationen aufgebaut hatten. Wenn das Heer einen Sieg verkündete, fühlte sich auch die Marine dazu verpflichtet. (. . . ) Anfang 1945 verkündeten die japanischen Medien immer noch militärische Siege, während die japanischen Fronten auf allen Kriegsschauplätzen zusammenbrachen.20


Die japanischen Propagandisten, die sich somit gezwungen sahen, frei erfundene Siege zu melden, sahen sich also vor ähnliche Probleme gestellt wie Winston Smith in Nineteen Eighty-Four, der eine ganze Kriegsgeschichte umschreiben muß.21 Welche absurden Ausmaße die japanische Propaganda annehmen konnte, zeigt eine besonders kuriose Meldung, die im März 1943 über Radio Batavia (Jakarta) verbreitet wurde: "Großbritannien macht sich wegen der Milchknappheit Sorgen. Deshalb erwägt die englische Regierung die Zähmung aller Seidenraupen in Liberia . . ., aber erst müssen sie domestiziert werden."22 Es ist offensichtlich, daß eine solche Propagandastrategie nicht zum Erfolg führen konnte. So urteilt der Japaner Masuo Kato in seinem Buch Der verlorene Krieg: "In der psychologischen Kriegführung war Japan hoffnungslos unterlegen, nicht wegen besonderer Geschicklichkeit der Alliierten, sondern weil die Propaganda der Alliierten auf Wahrheit beruhte, während die Japaner schon fast von Anfang an auf die Wahrheit verzichteten."23

Die Nachrichtensendungen und ihre Glaubwürdigkeit spielten in der Propaganda des 2. Weltkriegs eine wichtige Rolle. Daher sind gerade George Orwells Kriegskommentare besonders interessant, denn der Hauptzweck des Eastern Service war es, "to boost morale in India in case of a Japanese invasion."24 George Orwell sollte seinen indischen Zuhörern verständlich machen, daß eine britische Kolonialherrschaft für sie immer noch besser war als eine japanische, um so im Falle einer japanischen Invasion in Indien die einheimische Bevölkerung davon abzuhalten, mit den Japanern zu kollaborieren, die ihren Eroberungskrieg unter dem Slogan 'Asien den Asiaten' führten.25 So erklärte er in seinem Kriegskommentar vom 16. Mai 1942: "India is compelled to be with Britain, because a victory of the Germans or the Japanese would postpone Indian independence far longer than the most reactionary British Government would either wish or be able to."26 Den Japanern und den Deutschen gehe es nicht darum, die Unabhängigkeit und Entwicklung Indiens zu fördern. Vielmehr, so Orwell in seinem Kriegskommentar, sei der Krieg ein "struggle of free peoples who see before them the chance of a fuller and happier existence, against comparatively small cliques who are not interested in the general development of humanity but only in advancing their individual power."27

Zwei Elemente aus Nineteen Eighty-Four sind hier schon vorhanden. Dies ist zum einen die Vorstellung von Indien als einem "bottomless reserve of cheap labour,"28 das andere ständig zu erobern versuchen, und zum anderen die Idee, daß das, worum es den totalitären Machthabern letztendlich geht, die Macht an sich ist. Wie es O'Brien in Nineteen Eighty-Four ausdrückt: "We are not interested in the good of others; we are interested solely in power."29 Interessant ist in diesem Zusammenhang auch zu bemerken, daß George Orwell in seinem Kriegskommentar vom 17. 10. 1942 bemerkte, der Zweck der deutschen Propaganda in der letzten Zeit sei es "to reconcile the German people to a state of endless war."30 Die Ursprünge für den in Nineteen Eighty-Four geschilderten Krieg um Indien und den permanenten Kriegszustand lassen sich also schon 1942 in George Orwells Kriegskommentaren nachweisen.

Für seine Propagandatätigkeit brauchte George Orwell natürlich Informationen über Japan. Dafür bot sich neben den englischsprachigen japanischen Zeitungen31, mit denen sich George Orwell schon vor seiner Zeit bei der BBC zumindest oberflächlich beschäftigt hat32, ab 1943 auch John Morris an, der sich eine Zeitlang in Japan aufgehalten hatte. George Orwell und John Morris verstanden sich jedoch von Anfang an nicht. John Morris erinnert sich:


Since I had been brought in for the express purpose of starting up a service to Japan he, quite unfairly I think, regarded me as some sort of enemy; because I made no secret of the fact that I had enjoyed my time in Japan and had acquired a number of lasting friendships (which still endure), I must therefore be against the Chinese. . .33


Hier zeigt sich deutlich George Orwells antijapanische und pro-chinesische Einstellung.34 Er dürfte also kaum Gewissensbisse gehabt haben, als er für die BBC antijapanische Propaganda betrieb, zumal seiner Meinung nach ihre Nachrichtensendungen "relatively truthful"35 waren und nur selten absichtlich Falschmeldungen verbreiteten.

Zu dieser Zeit war der chinesische Autor Hsiao Ch'ien in London, den Orwell um Hilfe bat. Am 14. Januar 1942 schrieb Orwell an Hsiao Ch'ien: "I also want one talk on the ordinary atrocity lines (...) I want something about the extortions of the Japanese, looting and raping, and the opium traffic etc."36 Das Bild, das George Orwell seinen indischen Zuhörern von den Japanern vermitteln sollte, entspricht dem, das in den 'Two Minutes Hate' von den eurasischen Soldaten gezeichnet wird, die bemerkenswerterweise asiatische Gesichtszüge haben, so daß in den 'Two Minutes Hate' der Film nicht ausgetauscht werden muß, wenn der Feind nicht mehr Eurasia, sondern Eastasia ist:


"(...)row after row of solid-looking men with expressionless Asiatic faces, who swam up to the surface of the screen and vanished, to be replaced by others exactly similar."37 Ferner beschreibt Orwell "the figure of a Eurasian soldier who seemed to be advancing, huge and terrible, his sub-machine gun roaring, and seeming to spring out of the surface of the screen, so that some of the people in the front row actually flinched backwards in their seats."38


Ein weiteres wichtiges Indiz für den Zusammenhang zwischen Orwells antijapanischer Propaganda und den 'Two Minutes Hate' ist die Tatsache, daß letztere schon im 1943er Entwurf zu Nineteen Eighty-Four vermerkt sind.39

George Orwells persönliche Meinung über seine Propagandatätigkeit geht aus seinem Tagebucheintrag vom 14. März 1942 hervor:


Our radio strategy is even more hopeless than our military strategy. Nevertheless one readily becomes propaganda-minded and develops a cunning one did not previously have. E.g. I am regularly alleging in all my newsletters that the Japanese are plotting to attack Russia. I don't believe this to be so, but the calculation is:

If the Japanese do attack Russia, we can say 'I told you so.'

If the Russians attack first, we can, having built up the picture of a Japanese plot beforehand, pretend that it was the Japanese who started it.

If no war breaks out after all, we can claim that it is because the Japanese are too frightened of Russia.

All propaganda is lies, even if one is telling the truth.40


Hier liegen die Ursprünge dessen, was später in Nineteen Eighty-Four als 'doublethink' und als Propaganda des 'Big Brother' wieder auftaucht. Spätestens 1943 muß George Orwells Konzeption des 'doublethink' festgestanden haben, denn im 1943er Entwurf zu Nineteen Eighty-Four werden schon der "dual standard of thought" und "rectification, shifting of dates"41 erwähnt. Die Fähigkeit des 'doublethink' ist etwas, das nach Orwells Meinung typisch für 'Nationalisten'42 ist. Die bemerkenswerte "indifference to reality"43 zeigt sich jedoch nicht nur bei den "more notorious and identifiable nationalist movements in Germany, Japan and other countries,"44 sondern auch in England:


Many English people have heard almost nothing about the extermination of German and Polish Jews during the present war. Their own antisemitism has caused this vast crime to bounce off their consciousness. In nationalist thought there are facts which are both true and untrue, known and unknown. A known fact may be so unbearable that it is habitually pushed aside and not allowed to enter into logical processes, or on the other hand it may enter into every calculation and yet never be admitted as a fact, even in one's own mind.45


Nach Kriegsende befaßte sich George Orwell in seinem Aufsatz "In Front of Your Nose" in der Tribune vom 22. 3. 1946 ausführlich mit den verschiedenen Arten des 'doublethink', ohne diesen Begriff direkt zu verwenden. Über Deutschland und Japan während der Kriegszeit urteilte er hier: "The Germans and the Japanese lost the war quite largely because their rulers were unable to see facts which were plain to any dispassionate eye."46 Hier zeigt sich deutlich, daß George Orwell auch den Führern des totalitären Japan die Fähigkeit des 'doublethink' zusprach.

George Orwells letzter Kriegskommentar wurde am 13. März 1943 gesendet.47 Am 24. September 1943 kündigte er seine Stellung bei der BBC mit der Begründung, "I was wasting my own time and the public money on doing work that produces no result. I believe that in the present political situation the broadcasting of British propaganda to India is an almost hopeless task."48

Die Behauptung, er habe seine Stellung bei der BBC gekündigt, weil er hier keine sinnvolle Arbeit leiste, muß mit großer Vorsicht betrachtet werden.49 Wie oben bereits dargelegt war die englische Propaganda gegenüber der deutschen durchaus erfolgreich, während die japanische ohnehin nicht mehr ernst genommen wurde. Sicherlich ist es richtig, daß er seit März 1943 nur noch Kulturprogramme produzierte, die ihm persönlich wichtig waren,50 die in Indien jedoch so gut wie niemanden interessierten. Dies war ihm jedoch schon im Juli 1942 bekannt, wie der Tagebucheintrag vom 23. Juli belegt.51 Sowohl Crick als auch Shelden52 akzeptieren George Orwells Begründung kritiklos, ohne sich zu fragen, warum er dann nicht schon im Juli 1942 die BBC verließ. Finanzielle Gründe oder eine befriedigendere Stelle in Aussicht hatte er weder 1942 noch 1943. Daß er nach seinem Ausscheiden bei der BBC fast sofort eine Stelle bei der Tribune antreten konnte, war Zufall, wie Crick klarstellt.53 Auch die Aussicht, mehr Zeit für eigene Arbeit zu haben, kann als Motiv höchstens eine untergeordnete Rolle gespielt haben, denn am 14. Oktober 1943 schrieb er über seine zukünftige Stelle bei der Tribune: "This may leave me some time to do a little of my own work as well, which the BBC doesn't."54

West verkennt den Propagandawert der Kriegskommentare, wenn er von Orwells "feeling that political propaganda was virtually powerless"55 spricht. Da die Propaganda der Achsenmächte auf Unwahrheiten und leeren Versprechungen basierte, war es für eine erfolgreiche Gegenpropaganda völlig ausreichend, die Inder wahrheitsgemäß über die Kriegslage und das Verhalten der Japaner in den besetzten Gebieten zu informieren, was wohl kaum gegen George Orwells moralische und politische Prinzipien verstoßen haben dürfte. Im September 1943 hätte es ihm freigestanden, seine Weiterarbeit bei der BBC davon abhängig zu machen, daß er wieder Kriegskommentare sendete, von denen er wußte, daß sie in Indien ihre Zuhörer fanden. Davon ist in dem Kündigungsschreiben jedoch keine Rede. Im Gegenteil wird hier die britische Indien-Propaganda als 'fast hoffnungslos' bezeichnet, was den Tatsachen nicht entspricht und offensichtlich nur ein vorgeschobener Grund ist.

Der wahre Grund für George Orwells Kündigung läßt sich aus dem historischen Kontext erschließen. Schon in der Seeschlacht bei den Midway-Inseln vom 3. bis 7. Juli 1942 hatte sich gezeigt, daß Japan letztendlich den Krieg gegen die USA verlieren würde. Im Juli 1943 begann die alliierte Großoffensive, das sogenannte 'Froschhüpfen', bei dem die alliierten Streitkräfte unter General MacArthur eine Insel nach der anderen von den Japanern eroberten. Im Februar desselben Jahres hatte die deutsche Wehrmacht bei Stalingrad eine entscheidende Niederlage hinnehmen müssen. Am 13. Mai hatten die deutschen und italienischen Truppen in Nordafrika kapituliert. Nach dem Sturz Mussolinis hatte Italien am 3. 9. einen Waffenstillstand mit den Alliierten geschlossen. George Orwell kündigte seine Stellung bei der BBC also zu einem Zeitpunkt, als feststand, daß die Achsenmächte den Krieg verlieren würden. Die Gefahr, daß Deutschland oder Japan Indien eroberten, war somit gebannt. Damit war aber auch George Orwells Hauptgrund, für die BBC zu arbeiten, weggefallen, denn, wie er 1944 schrieb, "I know enough of British imperialism not to like it, but I would support it against Nazism or Japanese imperialism, as the lesser evil."56

Seit 1943 richtete sich zudem die britische Propaganda weniger gegen Japan als gegen die indische Unabhängigkeitsbewegung.57 George Orwell war sicherlich nicht daran interessiert, im Sinne einer Kolonialregierung zu arbeiten, die zudem sein eigenes Buch Burmese Days, in der er die britische Kolonialherrschaft kritisierte, nach wie vor in Indien verbot.58 Hinzu kam, daß die englische Regierung keine Anstalten machte, Indien den Status einer Krondomäne und - nach Kriegsende - die volle Unabhängigkeit zu gewähren, wie George Orwell es schon 1941 in The Lion and the Unicorn vorgeschlagen hatte.59

Insgesamt muß die für ihn sehr unbefriedigende Zeit60 bei der BBC George Orwell schwer belastet haben. In einem Brief an Rayner Heppenstall vom 24. August 1943 schrieb er:


Re cynicism, you'd be cynical yourself if you were in this job. However I am definitely leaving it in abt 3 months. Then by some time in 1944 I might be near-human again & able to write something serious. At present I'm just an orange that's been trodden on by a very dirty boot.61


Interessanterweise bedient sich George Orwell hier schon des Bildes, das später auch eine zentrale Passage von Nineteen Eighty-Four dominiert: " 'If you want a picture of the future, imagine a boot stamping on a human face - for

ever.' "62 In - und wohl auch aus - dieser Stimmung entstand der erste Entwurf zu Nineteen Eighty-Four.




3. Die 'Gedankenpolizei'

Nach der Meiji-Restauration von 1868, mit der das Zeitalter des modernen Japan begann, wurde das rückständige Japan nicht nur von einer Flut moderner Technik überschüttet, sondern kam auch mit der ganzen Bandbreite des westlichen politischen Denkens in Berührung. Dieses westliche politische Denken wurde von der japanischen Herrschaftselite um den Kaiser allgemein als 'dangerous thoughts'63 (kiken shiso) bezeichnet. Interessanterweise findet sich der Begriff 'dangerous thought' auch in Nineteen Eighty-Four wieder.64 George Orwell benutzte den Begriff 'dangerous thought' schon in seinem Aufsatz "The English People", in dem er über die Engländer schrieb, daß im Gegensatz zu anderen Völkern "'deviations' and 'dangerous thoughts' do not seem very important to them."65 Die Tatsache, daß 'dangerous thoughts' in Anführungsstrichen erscheint, unterstreicht, daß es sich hierbei um einen feststehenden Begriff handelt, den George Orwell von den Japanern übernommen hat.

Mit den Staatsreformen der Meiji-Zeit wurde auch ein Innenministerium, 'Naimusho', eingerichtet, das erst 1947 durch die amerikanischen Besatzer unter General MacArthur aufgelöst wurde. "Kein Innenministerium eines westlichen Landes könnte (...) mit dem Naimusho in seiner diktatorischen Macht über die gewöhnliche Öffentlichkeit verglichen werden."66 Auch wurden auf Initiative des Naimusho eine Reihe von Gesetzen zur Beschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit verabschiedet. Diese bezeichnete man als "thought-control laws, of which the most restrictive was the Public Peace Preservation Law (Chian iji ho) of April 1925."67 George Orwell schrieb in "The English People", daß in England "the real totalitarian atmosphere, in which the state endeavours to control people's thoughts as well as their words, is hardly imaginable."68 Das japanische Naimusho ergibt ein ausgezeichnetes historisches Vorbild für Orwells 'Ministry of Love'. Man braucht also nicht unbedingt, wie Christopher Small dies tut, auf das Alte Testament und die Geschichte von Jona und dem Wal zurückzugreifen,69 um ein historisches Vorbild für das 'Miniluv' aus Nineteen Eighty-Four zu bekommen.

Crick schreibt, da er mit der Geschichte des totalitären Japan offenbar nicht vertraut ist: „Policing thought sounds startling and impossible.“70 Die interessanteste Parallele zwischen Japan und der Welt von Nineteen Eighty-Four ist jedoch die Gedankenpolizei, 'thought police', die dem Naimusho unterstand. 1910 hatte es eine Welle von Verhaftungen gegen Anarchisten und Sozialisten gegeben, nachdem die Polizei bei einem Arbeiter Sprengstoff gefunden hatte.71 Daraufhin wurde 1911 von Yamagata Aritomo die 'Spezielle Höhere Polizei' (‘Tokubetsu Koto Keisatsu’, auch kurz ‘Tokko’ genannt) gegründet, die wegen ihres Auftrages, 'gefährliche Gedanken' und ‘Gedankenverbrechen’, d. h. politisch motivierte Straftaten, zu bekämpfen, "allgemein 'Gedankenpolizei' genannt"72 wurde. Gedankenverbrechen wurden von der japanischen Polizei im allgemeinen und der Gedankpolizei im besonderen als das schlimmste aller Verbrechen angesehen:


Police officers learned from textbooks and directives that a thought crime was ‘the most evil and anti-social act’ [...] Unlike the worst ordinary crime, murder, it affected millions of people, not just one or several.73

Die Aufgabe der Gedankenpolizei bestand nun darin, "to discover and suppress anyone who violated, or might violate, the peace law (= Public Peace Preservation Law) or who might in any way upset the social order. (. . .) Spies and regular police units aided the thought police in carrying out a continual canvass of society."74 Diese Beschreibung der Aufgaben der Gedankenpolizei könnte in der Tat direkt aus Nineteen Eighty-Four stammen.

Im Juli 1922 wurde die moskautreue kommunistische Partei Japans gegründet. Diese wurde von der Regierung und ihren Bürokraten als besondere Gefahr angesehen und führte dazu, daß 1925 ein neues 'Gesetz zur Wahrung des öffentlichen Friedens' verabschiedet wurde, das das gleichnamige Gesetz von 1900 ersetzte und verschärfte. Es gab der Gedankenpolizei weitere Möglichkeiten zur Zensur und zur Bekämpfung von Gedankenverbrechen (shiso hanzai).

1926 wurde auch im Justizministerium ein Gegenstück zur Gedankenpolizei des Innenministeriums gegründet, die sogenannte 'Gedankensektion', die sich mit den juristischen Aspekten des 'Gedankenproblems' (shiso mondai) befaßte. Die Gedankensektion gab 1927 sechs Berichte heraus, von denen Nummer 2 bis 6 unter dem Titel Gedankenuntersuchung (Shiso Chosa) erschienen. Die Nummer 6 listete, "since justice bureaucrats were anxious to define a thought crime,"75 eine Reihe solcher politisch motivierter Straftaten, d.h. Gedankenverbrechen, von 1922 bis 1926 auf. Die Verfasser des Berichtes mußten jedoch zugeben, daß es schwierig war "(to) subjectively give a general view of thought crimes."76 Auch in Nineteen Eighty-Four wird keine klare Definition eines Gedankenverbrechens gegeben.

1928 berichteten die Spione, die die Gedankenpolizei in der Kommunistischen Partei Japans hatte, daß die Partei zunehmend aktiver werde. Daraufhin beschlossen die Gedankenpolizei und die Gedankensektion, entschieden gegen die kommunistische Partei vorzugehen. Angeführt wurde der Schlag von den 'Gedankenanwälten' (shiso kenji) des Justizministeriums. Die Gedankenanwälte waren spezielle Staatsanwälte, die mit der Beobachtung, der Verhaftung und dem Verhör von Gedankenverbrechern betraut waren und damit in ihrer Funktion frappant an die Rolle O'Briens in Nineteen Eighty-Four erinnern.

Über 300 Kommunisten wurde vom 25. Juni 1931 bis zum 29. Oktober 1932 der Prozeß gemacht. Eine Sensation war die 'Bekehrung' (tenko) zweier führender Kommunisten, Sano und Nabeyama, die im Mai 1933 ihre Überzeugung öffentlich widerriefen. Dies bestärkte die japanischen Behörden in ihrem Bestreben, bei Gedankenverbrechern gezielt ein Tenko herbeizuführen. Die Gedankenanwälte


even exploited thought suspects whose autobiographical notes served as an unintentional contribution to the study of how to handle thought criminals. By September 1932, special techniques not only kept them out of jail, thus easing the strain on prison facilities. Moreover, procurators (= thought procurators, 'Gedankenanwälte') were investigating the underlying psychological reasons for thought crimes.77


Dies erinnert stark an die Beziehung zwischen O'Brien und Winston Smith. O'Brien beobachtet Winston Smith sieben Jahre lang - "For seven years I have watched over you"78 - und gestattet ihm, Tagebuch zu führen. Da der Besitzer des Antiquitätenladens, der Winston Smith das Zimmer vermietet, selber ein Mitglied der Gedankenpolizei ist, liegt die Vermutung nahe, daß das Tagebuch ihm in O'Briens Auftrag zugespielt wurde. Auch die japanischen Gedankenanwälte wußten: "allowing them to write about it in their own words, their actual feelings came oozing out."79

Auch die Methoden O'Briens und der japanischen Gedankenanwälte beim Verhör von Gedankenverbrechern ähneln sich stark. Die japanischen Gedankenanwälte wurden von ihren Vorgesetzten angewiesen, "never to laugh or ridicule suspects, to use a direct and friendly approach, never to employ threats or lies, to be kind, to be a good listener, and to be be persistent."80 Diese Taktik spiegelt sich in O'Briens Verhalten während des Verhörs wieder: "When he spoke his voice was gentle and patient. He had the air of a doctor, a teacher, even a priest, anxious to explain and persuade rather than to punish."81

Der praktischen Arbeit der Gedankenanwälte stand in den dreißiger Jahren die 'Grundlagenforschung' des Justizministeriums gegenüber, "analyzing the causes for deterioration of thought, explaining techniques used in detecting and punishing offenders, and reviewing applicable laws. In connection with tenko, researchers systematically investigated the psychology involved in accepting alien ideology and rejecting it."82 In der Welt von Nineteen Eighty-Four ist die Technik des Tenko zur höchsten Vollendung entwickelt worden: "No one whom we bring to this place ever stands out against us. Everyone is washed clean."83 Genau wie im totalitären Japan versucht O'Brien bei Winston Smith ein Tenko - eine Bekehrung - herbeizuführen und erklärt ihm, daß die Machthaber in Oceania den Gedankenverbrecher nicht einfach umbringen, sondern "we convert him."84

Genau wie O'Brien betrachteten auch die japanischen Gedankenanwälte das Phänomen der 'gefährlichen Gedanken' als eine Art Geisteskrankheit. Hatte ein japanischer Gedankenverbrecher nach Meinung des Gedankenanwalts seine 'gefährlichen Gedanken' aufgegeben, so erklärte er ihn für "cured".85 Dies findet sein genaues Gegenstück in Nineteen Eighty-Four, wo O'Brien Winston Smith erklärt: "You are mentally deranged. (. . .) Fortunately it is curable."86

1936 wurden die Erfahrungen mit Gedankenverbrechern in ein neues Gesetz umgesetzt, das 'Gesetz zum Schutz und zur Überwachung von Gedankenverbrechern' (Shisohan Hogo Kansatsuho). Damit war der Terminus 'Gedankenverbrecher' endgültig ein fester Bestandteil der japanischen Rechtssprache und des Rechtssystems geworden. Das neue Gesetz sah die Einrichtung von 'Schutz- und Überwachungszentren' für die Resozialisierung von Gedankenverbrechern vor. Japan führte Mitte der dreißiger Jahre "a national campaign through the various news media to make people understand the need to aid thought criminals."87 Diese Kampagne war nötig, da ehemalige Gedankenverbrecher oft ihren Arbeitsplatz verloren, sobald der Arbeitgeber von ihrer Vergangenheit erfuhr. In der Welt von Nineteen Eighty-Four ist eine solche Kampagne natürlich nicht nötig, da die Partei ohne Schwierigkeiten Winston Smith einen Arbeitsplatz, sogar "a sinecure,"88 zuweisen kann.

Der letzte Schritt im japanischen Kampf gegen Gedankenverbrecher wurde 1941 mit einer neuen Fassung des 'Gesetzes zur Wahrung des öffentlichen Friedens' getan. Nun war es auch möglich, potentielle Gedankenverbrecher präventiv einzusperren - der Gedanke als solcher war somit schon das Verbrechen. Die erste präventive Haftanstalt wurde 1941 im Toyotama-Gefängnis in Tokio eingerichtet. Hier würde man nach Meinung der japanischen Behörden mit Hilfe einer "intensive education"89 bei jedem Gedankenverbrecher erfolgreich ein Tenko herbeiführen: "They were certain that daily indoctrination would reform even hardened thought criminals whose Japaneseness was bound to surface sooner or later. And since each was to be detained until he was fully cured, officials would have lots of time."90

Die japanische Politik gegen Gedankenverbrechen hatte zur Folge, daß manch ein Japaner, so wie Winston Smith "set to work to exercise himself in crimestop,"91 von sich aus 'gefährliche Gedanken' mied. "This writer [Mitchell] has spoken to more than one person who recalls that he discarded books which were considered subversive. (. . .) it seems clear that people became accustomed to retreating, if they found themselves heading down a path that might lead to an improper thought."92 Sie waren, um es mit den Worten aus dem Kapitel 'Ignorance is Strength' aus Goldsteins Buch in Nineteen Eighty-Four zu sagen, "repelled by any train of thought which is capable of leading in a heretical direction."93

Eine weitere Parallele zwischen der japanischen Behandlung von Gedankenverbrechern und der in Nineteen Eighty-Four beschriebenen ist das Kriterium für die erfolgreiche 'Heilung' eines Gedankenverbrechers: "In 1940, Judge Ishii Kiyoshi (Takamatsu District Court) said that one good standard for tenko would be whether or not the subject 'worshipped the emperor as a personal god.'"94 Es ist interessant, daß der letzte Satz in Nineteen Eighty-Four, der Winston Smiths endgültige Niederlage signalisiert, lautet: "He loved Big Brother."95 Dies ist, nach O'Briens Worten, "the last step"96 in Winston Smiths 'Heilung.' Sowohl in Nineteen Eighty-Four als auch im totalitären Japan war somit die Haltung des Gedankenverbrechers gegenüber der halbgöttlichen Führerfigur das entscheidende Kriterium für eine erfolgreiche 'Heilung'.

Die japanische Gedankenpolizei und der Umgang mit Gedankenverbrechern ähneln denen in Nineteen Eighty-Four sowohl in der Terminologie als auch in der Methodik, jedoch nicht in der Zielsetzung: Während es in Japan wirklich darum ging, Gedankenverbrecher zu 'heilen', um sie dann in die Gesellschaft wieder einzugliedern, geht es in Nineteen Eighty-Four nur darum, "to make the brain perfect before we blow it out."97 George Orwell vereint in Nineteen Eighty-Four die japanische 'psychotherapeutische' Behandlung von Gedankenverbrechern mit der brutalen Vernichtung politischer Gegner, wie sie unter dem Stalinismus und unter dem NS-Regime üblich war, und erreicht somit nicht durch die Erfindung neuer totalitärer Herrschaftsmethoden, sondern durch die Verwendung und Kombination zeitgenössischer Elemente die Darstellung eines politischen Systems, die so düster ist, daß viele Leser den Roman einfach als alptraumhafte fantasy interpretieren98 und dabei völlig übersehen, daß alles, was im Roman geschildert wird, lediglich auf der Verfremdung von realen, zeitgenössischen Vorgängen beruht.


4. Japan und Eastasia

George Orwell erhielt, wie er selbst bekundet hat,99 die Anregung für die drei Superstaaten Oceania, Eurasia und Eastasia in Nineteen Eighty-Four aus James Burnhams The Managerial Revolution, der 1940 vorausgesagt hatte, die Welt werde in naher Zukunft zwischen drei Staaten aufgeteilt werden: "The nuclei of these three super-states are, whatever may be their future names, the previously existing nations Japan, Germany and the United States."100 Diese Entwicklung war aus der Sicht des Jahres 1940 durchaus wahrscheinlich. Auch Orwell glaubte daran und hielt an dieser Zukunftsperspektive fest. Ein ähnliches Konzept vertrat auch Japan. Am 29. 4. 1941, am 40. Geburtstag Kaiser Hirohitos, stellte die englischsprachige Japan Times and Advertiser die von Japan gewünschte 'Neue Ordung' vor:101 Die Welt sollte in Einflußzonen aufgeteilt werden, mit Japan als der Führungsmacht Asiens, den USA als Hegemonialmacht von ganz Nord- und Südamerika einschließlich Grönland, und Kontinentaleuropa und Nordafrika "organized as one state under the German Reich."102 Dies unterscheidet sich von der von Burnham vorausgesagten Entwicklung lediglich dadurch, daß hier von einer Vereinigung des britischen Empires und dem US-amerikanischen Herrschaftsbereich nicht die Rede ist. Daneben erinnert die von Japan angestrebte 'Neue Ordnung' auch an die in Nineteen Eighty-Four geschilderte geopolitische Lage. George Orwell muß eine Aufteilung der Welt in Supermächte und Einflußzonen als sehr wahrscheinlich empfunden haben. Noch im September 1943, ein halbes Jahr nach der deutschen Niederlage bei Stalingrad, schrieb er:


If we came to an understanding with Germany and Japan we might diminish our possessions (even that isn't certain: it is a little-noticed fact that in territory Britain and the U.S.A. have gained more than they have lost in this war), but we should at least be confirmed in what we had already. The world would be split up between three or four great imperial powers who [sic!], for the time being, would have no motive for quarreling. Germany would be there to neutralize Russia, Japan would be there to prevent the development of China.103


Bis 1943 sah es so aus, als würde Hitler die Sowjetunion und Japan China besiegen und somit James Burnhams Voraussage erfüllen. Hitler war kurz davor, die in Mein Kampf dargelegten Ziele zu erreichen, während Japan alle Gebiete mit Ausnahme Indiens, die zu seiner unter dem Slogan "Asia for the Asiatics"104 propagierten 'Ostasiatischen Wohlstandssphäre' zählten, tatsächlich unter seine militärische Kontrolle gebracht hatte. George Orwell griff in seinen Kriegskommentaren die von Japan geforderte 'Neue Ordnung' und die 'Ostasiatische Wohlsstandssphäre' scharf an, besonders ausführlich in seinem Kriegskommentar vom 4. 4. 1942. Die Japaner würden, so Orwell, den Burmesen ihren Reis abnehmen und diesen mit wertlosem Papiergeld bezahlen. Die von den Japanern versprochene Freiheit und Unabhängigkeit werde sich letztlich als Unterdrückung und Ausbeutung durch die Japaner herausstellen: "To those who say that Japan will set Burma or India free, the best answer is: Why then have they not set free Korea and Formosa, which they have had in their power for so long?"105 Der Slogan "Freedom is Slavery"106 aus Nineteen Eighty-Four kann also gut als eine Parodie auf die japanische Indien-Propaganda interpretiert werden, ebenso wie das angesichts der japanischen Eroberungsfeldzüge seit 1931 höchst unpassende Regierungsmotto des japanischen Kaisers Hirohito, 'Showa' ('erleuchteter Friede'), die Grundlage für den Slogan 'War is Peace' aus Nineteen Eighty-Four gedient haben könnte.

Ein weiteres Indiz dafür, daß Japan das historische Vorbild für Eastasia war, ist die in Nineteen Eighty-Four geschilderte Kriegssituation, in der die drei Supermächte mit ständig wechselnden Bündnissen um Indien kämpfen. In seinem Kriegskommentar vom 11. Juli 1942 sagte George Orwell: "As you know, the long-term strategical aim of the Germans is to drive through, by a vast pincer movement, to the oil of Iraq and the Caucasus, and from there to join forces with the Japanese."107 Wäre dies tatsächlich später so eingetreten, dann hätte dies letztendlich dazu geführt, daß Japan von Osten her in Indien einmarschiert wäre, Deutschland von Westen, und daß beide die britisch-indischen Truppen nach Süden abgedrängt hätten. Da der Süden Indiens sehr gebirgig ist und sich für einen Krieg mit modernem, motorisiertem Kriegsgerät nicht eignet, wären die deutschen und britisch-indischen Truppen zwangsläufig an der Malabar-Küste in Südwestindien aufeinandergetroffen. Dies aber ist genau die in Nineteen Eighty-Four beschriebene Kriegssituation.108 An der Malabar-Küste liegt zudem eines der indischen Hauptanbaugebiete für Tee, so daß es nur konsequent ist, daß George Orwell Winston und Julia bei ihrem Rendezvous Tee trinken läßt: "'There's been a lot of tea about lately. They've captured India, or something,' she said vaguely."109 Mit dieser unscheinbaren Stelle im Roman schlägt George Orwell mehrere Fliegen mit einer Klappe. Er projiziert nicht nur die 1942 drohende Kriegsentwicklung in die Zukunft, sondern berücksichtigt gleichzeitig auch noch, welche Auswirkungen dies auf die Versorgungslage hätte.110 Gleichzeitig charakterisiert er Julia damit als politisch desinteressiert - die Kämpfe an der Malabar-Front wurden schon im 2. Kapitel von Teil 1 gemeldet - und als geographisch ungebildet: Sie hat von der Geographie Indiens offenbar nur eine ganz vage Vorstellung.

Die Niederlage Deutschlands und Japans machte endgültig klar, daß Burnhams Voraussage eine Fehlkalkulation gewesen war. George Orwell nahm dies jedoch nicht mehr zur Kenntnis, sein Bild von der möglichen, drohenden totalitären Zukunft stand fest. Deshalb schrieb er am 19. Oktober 1945 in der Tribune in dem Artikel "You and the Atom Bomb", die veränderte Lage "does not affect the main argument. For Burnham's geographical picture of the new world has turned out to be correct."111

Die Frage, ob Eastasia aus Nineteen Eighty-Four Japan ist oder China,112 kann man demnach folgendermaßen beantworten: George Orwells Vorstellung von der Staatenwelt der Zukunft entstand in den Jahren bis 1943, während seiner Tätigkeit bei der Indian Section des Eastern Service der BBC, wo er ausreichend Gelegenheit hatte, ein so düsteres Bild von Japan zu entwerfen, daß es als Vorbild für Eastasia - und auch für die Gesellschaftsordnungen der beiden anderen Superstaaten, da "the conditions of life in all three super-states are very much the same"113 - aus Nineteen Eighty-Four dienen konnte. Als die tatsächliche Kriegsentwicklung nach 1943 dieses Bild zunichte machte, modifizierte Orwell es lediglich leicht, anstatt sein ganzes Bild von der Zukunft neu zu überdenken. Hätte er dies getan, so hätte er Japan zu Oceania geschlagen, d. h. zu Amerika, und nicht zu China. Auch wäre nicht Indien, sondern Mitteleuropa der primäre Kriegsschauplatz, auf keinen Fall aber wäre in Goldsteins Buch in Nineteen Eighty-Four einfach von einer "absorption of Europe by Russia"114 die Rede. Dies zeigt deutlich, daß es George Orwell in erster Linie darum ging, seine Leser vor dem Totalitarismus, wie er ihn in seinem Leben erlebt und studiert hatte, zu warnen. Stalinismus und Nationalsozialismus waren für George Orwell ohnehin zwei politische Systeme, die, wie er schon 1940 schrieb, "having started from opposite ends, are rapidly evolving towards the same system - a form of oligarchical collectivism."115 Die geopolitische Situation ist demnach in Nineteen Eighty-Four auch nur eine Kulisse für die Darstellung einer totalitären Gesellschaftsordnung, wobei geographische Fragen zweitrangig sind. Es ist jedoch interessant zu bemerken, daß die 'Kulisse' ganz offensichtlich eine aus der Zukunftsperspektive von 1942/43 aus dargestellte Kulisse ist.

Nur in zwei Punkten hat George Orwell sein Konzept von 1943 abgeändert. Zum einen dadurch, daß statt der deutschen Eroberung Europas nun die "absorption of Europe by Russia"116 stattgefunden hat. Der zweite Punkt ist der, daß Eastasia nun von China statt von Japan beherrscht wird. In dem oben bereits zitierten Tribune-Artikel schreibt George Orwell: "The third of the three super-states - East Asia, dominated by China - is still potential rather than actual."117 Von diesem Artikel aus läßt sich eine direkte Linie ziehen zu Emmanuel Goldsteins The Theory and Practice of Oligarchical Collectivism aus Nineteen Eighty-Four, in dem es heißt: "The third, Eastasia, only emerged after another decade of confused fighting."118 Diese beiden Korrekturen sind eher kosmetischer Art und lassen sich aus der Intention von Nineteen Eighty-Four als Warnung herleiten: totalitäre Systeme, die wie Deutschland und Japan bereits zerschlagen waren, stellten keine Gefahr mehr dar und hatten somit ihre Qualitäten als drohendes Schreckgespenst gründlich eingebüßt.




5. Zusammenfassung

Japan hat bei der Entstehung von Nineteen Eighty-Four eine wichtige Rolle gespielt, die sich daraus ergab, daß George Orwell bei seiner Tätigkeit bei der BBC 1941-1943 antijapanische Propaganda betrieb, die für ihn der Hauptgrund war, überhaupt für die BBC zu arbeiten. Er verließ die BBC, als die Gefahr einer Eroberung Indiens durch Japan gebannt war und sich die Propaganda der BBC zunehmend gegen die indische Unabhängigkeitsbewegung richtete.

Besonders interessant ist, daß sich die drei zentralen Slogans des 'Englischen Sozialismus' auf japanische Ursprünge zurückführen lassen. 'War is Peace' aus der Tatsache, daß die Regierungszeit Kaiser Hirohitos, die unter dem Motto 'Showa', 'erleuchteter Friede', stand, alles andere als friedlich war. 'Freedom is Slavery' läßt sich auf die japanische Indien-Propaganda zurückführen, denn die Indien von den Japanern versprochene Unabhängigkeit und Freiheit hätte letztlich die Unterdrückung Indiens durch Japan bedeutet. Das System der 'Gedankenkontrolle' schließlich, wie es im Kapitel "Ignorance is Strength" in Goldsteins Buch beschrieben wird, entspricht von Terminologie und Methodik her der Vorgehensweise der japanischen Gedankenpolizei.

Das japanische System der Gehirnwäsche, des Tenko, war zur Zeit der Entstehung von Nineteen Eighty-Four einmalig auf der Welt. Es ist interessant zu bemerken, daß genau wie O'Brien in Nineteen Eighty-Four als "doctor, teacher, even a priest"119 erscheint, auch der japanische Ansatz zur Behandlung von Gedankenverbrechern ein medizinisch-psychologisches, ein pädagogisches und ein religiöses Element enthält: sie wurden für "cured"120 erklärt, wenn sie sich einer "intensive education"121 unterzogen hatten und "worshipped the emperor as a personal god."122 Die japanische und die 'ozeanische' Behandlung von Gedankenverbrechern ähneln sich also nicht nur in Terminologie123 und Methodik, sondern auch in ihrem dreifachen Ansatz. Man kann also mit Sicherheit sagen, daß Japans Gedankenpolizei und das Tenko als historisch reale Vorbilder für die Gedankenpolizei und die Behandlung von Gedankenverbrechern in Nineteen Eighty-Four dienten.

Ferner kann man nach der Untersuchung der War Commentaries sagen, daß die geopolitische Lage im fiktiven Jahr 1984 keine mögliche Perspektive aus der Sicht der Jahre 1947/48 war, sondern eine mögliche Perspektive aus der Sicht der Jahre 1941-1943. Dies hat einen entscheidenden Einfluß auf die Interpretation des Gesamtwerkes, denn seit Nineteen Eighty-Four zuerst erschien, war eine zentrale Frage der Interpretation die, ob es sich bei dem Roman um eine Warnung oder um eine Prophezeiung handelt.124 Wenn es Orwell darum gegangen wäre, eine exakte Voraussage für das Jahr 1984 zu machen, so hätte er sich sicherlich die Mühe gemacht, ein aus der Sicht der Jahre 1948/49 glaubwürdiges geopolitisches Szenario für das Jahr 1984 zu entwerfen und hätte nicht einfach die Perspektive seines Entwurfs von 1943, aus seiner Zeit als Kriegskommentator, leicht verändert übernommen.





1 Hans-Christoph Schröder, George Orwell: Eine intellektuelle Biographie (München, 1988), S. 7.

2 Orwells Rezension des Buches erschien am 9. 6. 1938 in der New English Weekly. George Orwell, Collected Essays, Journalism and Letters of George Orwell (im folgenden CE) I: An Age Like This 1940-1940, (Harmondsworth, 1970), S. 368-371.

3 Zit. nach Bernard Crick, George Orwell, A Life (London, 1980),S. 248.

4 "Freedom is the freedom to say that two plus two make four. If that is granted, all else follows." (George Orwell, Nineteen Eighty-Four (Harmondsworth, 45 1984), S. 73).

5 George Orwell, CE II: My Country Right or Left 1940-1943 (Harmondsworth, 1970), S. 296 f.

6 Vgl. Bernd Peter Lange, George Orwell: "1984" (München, 1982), S. 43.

7 George Orwell, CE IV: In Front of Your Nose (Harmondsworth, 1970), S. 564.

8 Michael Shelden, Orwell: The Authorized Biography (London, 1992), S. 473.

9 George Orwell, CE III: As I Please 1943-1950 (Harmondsworth, 1970), S. 135 f.

10 So z.B. bei William Steinhoff, The Road to 1984 (London, 1975), der sich mit allen ihm bekannten Ursprüngen und Modellen für Nineteen Eighty-Four beschäftigt. Vgl. auch M. Keith Booker, Dystopian Literature. A Theory and Research Guide (Westport, Connecticut, 1994), S. 208-213.

11 Lafcadio Hearne (1850-1904). Amerikanischer Schriftsteller, wanderte 1890 nach Japan aus und wurde japanischer Staatsbürger. Autor von In Ghostly Japan (1899), Shadowings (1900), Kwaidan (1904) und Japan: An Attempt at Interpretation (1904).

12 Brief an Brenda Salkeld vom August 1934. Orwell, CE I, S. 162.

13 George Orwell, The War Broadcasts und The War Commentaries. Edited with an Introduction by William John West (London, 1985).

14 Vgl. Crick, S. 287.

15 Crick, S. 281.

16 Vgl. Shelden, S. 377 f.

17 Aufzeichnung des Staatssekretärs z.b.V. Keppler vom 26. 1. 1943 (klassifiziert als 'Geheime Reichssache'). Akten zur deutschen Auswärtigen Politik, Serie E (Im folgenden: ADAP E), Band V. Hrsg. von Hans Rothfels und Walter Bußmann (Hauptherausgeber). Editorisch bearbeitet von Martin Mantzke und Christoph Stamm (Göttingen, 1975), Dokument Nr. 75, S. 142.

18 Telegramm der deutschen Gesandtschaft in Kabul an das Auswärtige Amt in Berlin vom 18. 1. 1943 (klassifiziert als 'Geheime Reichssache - nur als Verschlußsache zu behandeln'). ADAP E, Band V, Dokument Nr. 59, S. 118.

19 Tagebucheintrag vom 5. 10. 1942. Orwell, CE II, S. 507.

20 Anthony Rhodes, Propaganda. Illustrierte Geschichte der Propaganda im 2. Weltkrieg. Hrsg. von Victor Margolin (Stuttgart, 1993), S. 257.

21 Vgl. Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 162.

22 Zit. nach Rhodes, S. 257.

23 Zit. nach Rhodes, S. 260.

24 West in seiner Einführung zu Orwell, The War Broadcasts, S. 49.

25 Vgl. Rhodes, S. 248.

26 Orwell, The War Commentaries, S. 93.

27 Orwell, The War Commentaries, S. 92.

28 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 165. Noch deutlicher in seiner Sendung "The Meaning of Sabotage" vom 29. 1. 1942: "They (the Germans and the Japanese) want control of large subject-populations whom they can force to work for them at very low wages." (Orwell, The War Broadcasts, S. 78.)

29 Orwell, Nineteen Eigthy-Four, S. 227.

30 Orwell, The War Commentaries, S. 165.

31 Die Japan Weekly Chronicle und die Japan Times and Advertiser.

32 "The realism which is preached in Japanese and Italian newspapers (. . .)" (George Orwell, The Lion and the Unicorn Edited with an Introduction by Bernard Crick, (Harmondsworth,

21984), S. 41).

33 Morris, John, "That Curiously Crucified Expression". In: Coppard, Audrey/Crick, Bernhard, Orwell Remembered (London, 1984), S. 172. Zuerst erschienen in: Penguin New Writing, Nummer 40, September 1950, unter dem Titel "Some Are More Equal Than Others."

34 Noch deutlicher in seiner Kolumne "As I Please" in der Tribune vom 20. Oktober 1944, wo er über die alliierten Soldaten in Burma schrieb: "They suffered from dysentery, malaria, leeches, lice, snakes and Japanese, but I do not think any cases of sunstroke were recorded." (Orwell, CE III, S. 301).

35 "As I please". In: Tribune, 21. 4. 1944. Orwell, CE III, S. 155.

36 Orwell, The War Broadcasts, S. 177.

37 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 16.

38 Ebda., S. 18.

39 Vgl. Crick, S. 408.

40 Orwell, CE II, S. 465 f.

41 Crick, S. 408.

42 George Orwell unterschied zwischen 'Nationalisten' und 'Patrioten': "Nationalism is not to be confused with patriotism...The abiding purpose of every nationalist is to secure more power and more prestige, not for himself but for the nation or other unit in which he has chosen to sink his own individuality" (George Orwell, "Notes on Nationalism". In: Polemic, 1. Oktober 1945. Orwell, CE III, S. 411).

43 Ebda., S. 418.

44 Ebda., S. 411.

45 Ebda., S. 420.

46 Orwell, CE IV, S. 154.

47 Vgl. Orwell, The War Commentaries, S. 215-219.

48 Kündigungsschreiben Orwells an L. F. Rushbrook-Williams, Eastern Service Director der BBC vom 24. 9. 1943. Orwell, CE II, S. 360.

49 Dasselbe gilt auch für den Bericht von Laurence Brander, der 1942 für die BBC eine Hörerumfrage durchführte. Er verschickte Fragebögen, den kein einziger Inder ausfüllte und zurückschickte. Nur 4 % der in Indien lebenden Europäer schickten ihn zurück. Von Angehörigen der Armee schickten immerhin 60 % den Fragebogen zurück (vgl. Asa Briggs, The History of Broadcasting in the United Kingdom. Volume III: The War of Words (London, 1970), S. 508). Die Umfrage, laut der George Orwell, einer der am wenigsten beliebten Radiomoderatoren war (vgl. Shelden, S. 379), steht also auf sehr wackligen Beinen.

50 Am 2. Dezember 1942 schrieb er in einem Brief an Alex Comfort: "It is tremendously important from several points of view to try to promote decent cultural relations between Europe and Asia" (Orwell, CE II, S. 348).

51 Vgl. Orwell, CE II, S. 494.

52 Vgl. Crick, S. 287 und Shelden, S. 381.

53 Crick, S. 287.

54 Brief an Philip Rahv vom 14. 10. 1943. Orwell, CE II, S. 362. ("may" im Original kursiv).

55 West in seiner Einführung zu Orwell, The War Broadcasts, S. 39.

56 Brief an H. H. Wilmett vom 18. Mai 1944. Orwell, CE III, S. 178.

57 Vgl. Wests Einführung zu Orwell, The War Broadcasts, S. 49.

58 Vgl. ebda., S. 23.

59 Vgl. Orwell, The Lion and the Unicorn, S. 104.

60 Schon am 21. Juni 1942 beschrieb er in seinem Tagebuch das "feeling of frustration" (Orwell, CE II, S. 489), mit dem ihn die Arbeit bei der BBC erfüllte.

61 Orwell, CE II, S. 349.

62 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 230.

63 Vgl. das Kapitel "Dangerous thoughts and the public peace" in: Toshio Nishi, Unconditional Democracy. Education and Politics in Occupied Japan 1945-1954, (Stanford, 1982), S. 14-17.

64 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 181 f. und S. 240.

65 Orwell, CE III, S. 27.George Orwell erhielt den Auftrag zu "The English People" im September 1943, als er noch bei der BBC arbeitete, und beendete ihn im Mai 1944. "The English People" wurde jedoch erst 1946 veröffentlicht (vgl. ebda., S. 56).

66 Karel van Wolferen, Vom Mythos der Unbesiegbaren. Anmerkungen zur Weltmacht Japan (München, 1989), S. 537.

67 Nishi, S. 15.

68 Orwell, CE III, S. 27.

69 "Miniluv is a dry-land parody of God's great fish, turned into a hard and glittering monster, the visible form of Leviathan". (Christopher Small, The Road to Miniluv. George Orwell, the State, and God (London, 1975), S. 204).

70 George Orwell, Nineteen Eighty Four. With a Critical Introduction and Annotations by Bernard Crick (Oxford, 1984), Anm. 20, S. 433.

71 Dies und das folgende nach Richard Mitchell, Thought Control in Prewar Japan (London, 1976), S. 25 ff.

72 Wolferen, S. 534.

73 Elise K. Tipton, The Japanese Police State. The Tokko in Interwar Japan (London, 1991), S. 132.

74 Mitchell, S. 119.

75 Mitchell, S. 79.

76 Zit. nach Mitchell, S. 79.

77 Mitchell, S. 113 f.

78 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 210.

79 Mitchell, S. 117.

80 Mitchell, S. 115 f.

81 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 211 f.

82 Mitchell, S. 118.

83 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 220.

84 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 219.

85 Mitchell, S. 122.

86 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 212.

87 Mitchell, S. 131.

88 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 249.

89 Mitchell, S. 170.

90 Ebda.

91 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 240.

92 Mitchell, S. 186.

93 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 182.

94 Mitchell, S. 137.

95 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 256.

96 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 243.

97 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 219 f.

98 Diese Interpretation war von George Orwell durchaus gewollt. In einem Brief an F. J. Warburg vom 31. 5. 1947 schrieb er über Nineteen Eighty-Four: "(...) it is in a sense a fantasy, but in the form of a naturalistic novel." (Orwell, CE IV, S. 378).

99 Vgl. Orwell, "You and the Atom Bomb". In: Tribune, 19. 10. 1945. Orwell: CE IV, S. 23-26.

100 Zit. nach Orwell, CE IV, S. 198.

101 Dies und das folgende nach Edward Behr, Hirohito. Behind the Myth (New York, 1989), S.199.

102 Zit. nach Behr, S. 199.

103 Rezension von Beggar My Neighbour von Lionel Fielden. In: Horizon, September 1943. Orwell, CE II, S. 357.

104 Kriegskommentar vom 25. 7. 1942. Orwell, The War Commentaries, S. 121.

105 Orwell, The War Commentaries, S. 75.

106 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 9.

107 Orwell, The War Commentaries, S. 110 f.

108 Vgl. Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 26.

109 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 125.

110 Während des Krieges machte sich George Orwell ständig Gedanken über die Versorgungslage. Bezeichnend ist eine Anekdote aus seiner Zeit bei der BBC: "As he went past the menu board one day, he joked to a colleague standing in front of him: 'A year from now you'll see 'Rat Soup' on that board, and in 1943 it will be 'Mock Rat Soup'" (Shelden, S. 373). In seiner Kolumne "London Letter" in der amerikanischen Partisan Review vom November/Dezember 1942 schrieb er über die Versorgungslage in England: "I miss the tea myself" (Orwell, CE II, S. 268).

111 Orwell, CE IV, S. 25.

112 Die Frage läßt sich aus dem Text nicht beantworten. Der einzige Hinweis, nämlich der, daß die herrschende Philosophie in Ostasien "is called by a Chinese name usually translated as Death-Worship, but perhaps better rendered as Obliteration of the Self" (Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 171) ist keiner, da die chinesischen Schriftzeichen sowohl in China als auch in Japan verwendet werden und in Japan in der Regel sowohl eine chinesische als auch eine japanische Lesung haben. Auch 'Obliteration of the Self' ist kein brauchbarer Hinweis, da sowohl der chinesische Buddhismus als auch der japanische Zen-Buddhismus das Aufgehen der Seele im Nirwana (gewöhnlich als 'Nichts' übersetzt) und damit die Vermeidung der Wiedergeburt nach dem Tod als höchstes religiöses Ziel betrachten. 'Death Worship' könnte auch eine Anspielung auf die japanischen Kamikaze-Piloten sein, die aus religiösem Heldentum für ihren Kaiser in den Tod gingen.

113 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 171.Das totalitäre Japan und das totalitäre Deutschland ähnelten sich so sehr, daß der deutsche Korrespondent der New York Times in Tokio, Otto Tolischus, "was intrigued to find out who had learnt from whom" (Otto Tolischus, Tokyo Record (New York, 1943). Zit. nach Behr, S. 198).

114 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 162.

115 George Orwell in seiner Rezension von The Totalitarian Enemy von Franz Borkenau. In: Time and Tide, 4. 5. 1940. Orwell, CE II, S. 40 f.

116 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 163.

117 Orwell, CE IV, S. 23-26.

118 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 164.

119 Orwell, Nineteen Eighty-Four, S. 211.

120 Mitchell, S. 122.

121 Mitchell, S. 170.

122 Mitchell, S. 137.

123 Diese interessante Parallele entgeht John WesleyYoung, da er in seiner Arbeit Totalitarian Language. Orwell's Newspeak and its Nazi and Communist Antecedents (London, 1991) die Sprache des totalitären Japan völlig übergeht.

124 Eine ausführliche Erörterung dieser Frage findet sich bei Steinhoff, S. 193-204.




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